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destination middletown in delaware, max-goldt-school, montag 24. mai die schulglocke ertönte. wie jeden morgen machten sich die schüler auf, ihre klassenzimmer und die darin befindlichen plätze aufzusuchen. es war montagmorgen. das wochenende gerade vorbei. die stimmung sowohl beim lehrkörper als auch bei den schülern eher betrübt. mrs. fellow betrat den klassenraum der unterstufen-schüler. sie lächelte zaghaft vor sich hin. im grunde war sie froh, dass die woche wieder ihren lauf nahm und dass das ungeordnete, vielleicht sogar einsame wochenende von der belebten und aufgabenreichen woche abgelöst wurde. sie stellte ihre tasche auf das pult und sah in die augen von mehr als zwanzig wißbegierigen kindern. pam und alvin schmissen mit kleinen papierkügelchen nach anderen kindern. “es gibt immer welche, die aus der reihe tanzen”, dacht sie und erinnerte sich an ihre eigene schulzeit. sicher, sie war interessiert gewesen, an allem, war immer begeistert bei der sache gewesen und war gerne in die schule gekommen. gut, das hatte wohl daran gelegen, dass sie mit den begebenheiten in ihrem elternhaus überfordert gewesen war. so hatte sie die zeit in der schule genutzt, um sich soviel wissen wie möglich anzueignen. dies hatte ihr versprochen auch so bald wie möglich die elterlichen schutzmauern verlassen zu können. beliebt war sie nicht sonderlich gewesen. als streberin und außenseiterin verbrachte sie ihre schulzeit in middletown. auch sie besuchte vor vielen jahren die max-goldt-school, in der sie nun schon seit einiger zeit unterrichtete. nun stand sie vor ihrer klasse. auch alvin schaute inzwischen aufmerksam zu ihr auf. “guten morgen zusammen, hattet ihr ein erholsames wochenende?” “guten morgen, mrs. fellow”, ertönte es gleichstimmig im chor. und mit einem mal schossen lauter kleine fingerchen in die luft. “ich möchte was erzählen”, blubberte es aus toms kleinem kindermund.” gelassen lächelte mrs. fellow in die kleinen gesichter. “später tommy. du weißt, dass wir die woche wie immer mit einem morgengebet beginnen wollen.” tom verzog den mund ein wenig, faltete dann aber seine kleinen hände und stellte sich neben seinen schreibtisch. dies taten ihm seine klassenkameraden gleich. mrs. fellow zog ein kleines büchlein aus ihrer tasche. es hatte einen dunkelroten, wildledernen umschlag, auf welchem ein kleines kreuz eingeritzt war. darunter standen zwei winzige buchstaben. “gf”. beides war schwer zu erkennen, da der ledereinband fast schön völlig abgerieben war. sie schlug es auf und blickte zu ihren schülern, nachdem sie mit einem strichholz die große weiße kerze angezündet hatte. middletown in delaware, im haus von toms eltern 15:43 “mami, mami, ich bin zu hause”, tönte es durch den flur vom haus der nertons. tom schaute sich um, “mami, bist du da?” er lief in die küche. aber auch hier war seine mum nicht. tom war zwar erst sieben jahre alt, aber trotzdem legte er seinen täglichen schulweg alleine zurück. an seinem hals baumelte ein kleines bändchen, an dem ein silberner schlüssel hing. meistens war niemand zu hause wenn er heimkam. trotzdem rief er immer schon voller vorfreude durchs haus und hoffte auf eine antwort. er legte seine schultasche auf den sessel im wohnzimmer und lief dann zum kühlschrank. “hm, mami wird wohl einkaufen sein”, sagte er zu sich selbst und betrachtete die leere. schnell war die fernbedienung gefunden und er ließ sich auf dem sofa nieder, um das kinderprogramm zu sehen. es dauerte nicht lange, da hörte er, wie ein schlüssel das schloß der wohnungstüre durchdrang und schon im gleichen moment die klinke gedrückt wurde. schnell sprang er auf und rannte zur tür. “mami, da bist du ja”. washington d.c, fbi 26. mai 7:34 “guten morgen scully, na, mit welcher laune beglücken sie mich heute?” “morgen” “ah, ja,....alles klar. nichts desto trotz........scully, ich hab hier mal wieder was interessantes” scully setzte sich auf den stuhl gegenüber mulders schreibtisch. “na dann, worauf warten sie” entfuhr es ihr in einem leicht übermüdeten ton. ein verzogenes lächeln ihrerseits veranlaßte mulder dazu den diaprojektor zum laufen zu bringen. “scully, zu ihrer freude werde ich es kurz machen. also, hier sehen sie ......” “zwei leichen. das ist mal was ganz neues, mulder. mit toten haben wir uns ja noch nie befasst” die ironie in dem von ihr gesagten ließ mulder aufblicken. er lächelte: “scully, was erwarten sie denn, dass ist nun mal unser job…” scully schaute auf das lichtbild. ‚wieder ein fall, wieder tote,....... was wird er diesmal für eine begründung haben? monster, außerirdische, verrückte..... . eigentlich ist es ja eh immer dasselbe.’ mit diesem gedanken betrachtete sie das beweisfoto.” “scully, schauen sie sich die opfer genau an. sehen sie die wunde auf ihrer und seiner brust?” es waren zwei personen, ein männliches und ein weibliches opfer. das ehepaar lag auf dem bett. “sie waren schon neun jahre verheiratet und sind erst vor ein paar monaten nach middletown gezogen. mr. und mrs. nerton wurden wie es aussah durch jeweils eine einstichwunde unterhalb des magens getötet.” scully rollte mit den augen: ”ja, und... ist das eine x-akte? wahrscheinlich war es raubmord oder dergleichen.” “scully nicht so voreilig. nachdem sie die bilder von den opfern gesehen haben, werde ich ihnen eines von dem einzigen tatverdächtigen zeigen, der im moment zur debatte steht.” “die haben auch schon einen verdächtigen? mulder, was tun wir hier eigentlich?” als mulder das nächste dia einschob sah scully mißtrauisch an die leinwand und dann zu mulder. “ist das ihr ernst?” “ja, so wurde es mir zumindest von den örtlichen behörden mitgeteilt.” “also mulder, ich höre”. “das ist tom nerton. er ist sieben jahre alt und der hauptverdächtige. seine fingerabdrücke wurden auf der tatwaffe, sowie an den opfern gefunden.....” scully unterbrach ihn. “…was natürlich dadurch erklärt werden kann, dass sich der junge zur tatzeit im hause aufhielt und sowohl die tatwaffe als auch seine eltern vor angst berührt haben könnte.” “sicher scully, aber hören sie sich das an. er hat den mord an seinen eltern gestanden.” “was..., wie ist das möglich? wird er erpreßt?” “das weiß ich alles ja noch nicht, aber wir müssen da hin. zu ihrer frage: ja, das ist eine x-akte. und was für eine.” scully sah nochmals auf das foto des kleinen jungen. ”ein siebenjähriger tötet seine eltern durch nur einen einzigen messerstich.” ‚geht das überhaupt?’, fragte sie sich selbst... “mulder, und wann fliegen wir?” mulder öffnete seine schreibtischschublade und holte zwei weiße umschläge heraus. er legte einen davon scully auf den schoß. “na ja, ziemlich bald. es war der einzige flug, der heute morgen noch frei war.” scully öffnete den umschlag. abflug 8:40 uhr! “in nicht mal einer stunde. mulder, wie soll ich das machen? ich muss noch nach hause meinen koffer packen.” mulder sah sie etwas erstaunt an. dann lächelte er und zog einen koffer hinter seinem schreibtisch hervor. “das habe ich doch schon für sie gemacht.” dar agent zwinkerte ihr zu. auf dem flug nach delaware, 26. mai 09:13 scully sah sich die berichte des falles an, während mulder etwas gedankenverloren aus dem kleinen fenster sah. mulder blickte zu scully. er sah auf die beweisfotos und dann in ihr gesicht. dort erblickte er sofort ihre zerrissenheit. “sie können sich nicht vorstellen, dass ein kind seine eltern ersticht! dazu noch ein so kleines kind!” es klang wie eine feststellung und nicht wie eine frage. “nein, das kann ich nicht. und es wird sich mit sicherheit herausstellen, dass das geständnis des kindes ein irrtum ist, oder dass das kind in irgendeiner weise manipuliert wurde.” mulder sah in ihre augen. fälle in denen kinder involviert waren, machten ihr immer zu schaffen. er wußte warum und konnte es ihr nachfühlen. “mulder, ist alles in ordnung? sie machen einen sehr abwesenden eindruck.” er erschrak ein wenig. er hatte sie etwas zu lange angestarrt. vermutlich wurde es ihr unangenehm. “entschuldigung scully, ich bin wahrscheinlich mit meinen gedanken schon in middletown.” middeltown im haus der nertons 26. mai 13:48 der tatort unterschied sich kaum von den fotos, die scully wenige stunden vorher gesehen hatte. die leichen von mr. und mrs nerton waren schon weggebracht worden. ansonsten war alles so gelassen worden. man wusste vermutlich, dass sich das fbi für den zustand des tatortes interessieren würde. während scully sich im schlafzimmer, wo der mord passiert war, umsah, untersuchte mulder den rest des hauses. mit zaghaften schritten betrat er das zimmer von tom. “alles ist wohl noch so wie am tatabend.” sagte er zu sich selbst. er sah sich um. tom war wohl der augenstern seiner eltern. geschwister hatte er keine, so kam alles ihm zu gute. sein zimmer war gefüllt mit allem, was ein kinderherz begehrt. toms bett war noch immer in dem zusand, in dem er es wohl in der tatnacht verlassen hatte. das kissen mit den kleinen bunten motorbooten machte den eindruck, als ob erst vor ein paar minuten das bett verlassen worden war. auf toms nachttisch lag ein kleiner walkman. mulder erinnerte sich an seine eigene kindheit. ihm fiel ein, dass auch er zum einschlafen oft kassetten, später dann musik gehört hatte. es half ihm frei zu werden, von seinen zermürbenden gedanken und zur ruhe zu kommen. er nahm den walkman in die hand und schaltete ihn ein. die kopfhörer, die er aufsetzte, spielten ruhige musik. “ dieser sound bewirkt mit sicherheit, dass ein kleiner junge einschläft.” mulder mochte klassische musik zwar schon, bevorzugte sie aber ebenfalls nur um einschlafen zu können. er hörte dem klang der melodie ein wenig zu und nahm den kopfhörer dann ab. er legte das musikgerät auf den nachttisch zurück und schaute sich weiter um. im flur begegnete er scully. “und, haben sie was?” scully schüttelte den kopf und sah die großen gerahmten bilder an den wänden an. ,die nertons scheinen nicht grade wohlhabend gewesen zu sein. trotzdem haben sie wohl einiges an geld in diese kunstwerke investiert.’, dachte sie für sich. “und sie haben wohl auch nichts finden können, mulder”? “nein, bisher nicht.” er ging an scully vorbei in das schlafzimmer der eltern. scully sah noch einmal das große bild im flur an. “die mona lisa von da vinci... eine kopie, eine sehr gute kopie”, flüsterte sie. dann blickte sie zurück in das schlafzimmer und folgte ihrem partner. mulder betrachtete das ehebett der opfer. überall auf den laken waren blutflecken. die rolläden waren unten und es fiel nur wenig tageslicht in den raum. vermutlich hatten die polizisten die fenster bewußt nicht geöffnet, um die fotographen vom tatort fern zu halten. middletown ist eine kleinstadt. solch ein vorfall war ein gefundenes fressen für die örtliche presse. hier passierte ja sonst nicht viel. eine entlaufener hund oder ein ladendiebstahl war hier schon eine richtige sensation. mulder zog die rolläden hoch. das schlafzimmerlicht war etwas trübe, und er wollte im wahrsten sinn des wortes wenigstens etwas licht ins dunkel bringen. die sonnenstrahlen fielen direkt auf das bett und so machte das bild nur einen noch erschütternden eindruck. das bettzeug war mit blut getränkt und auch auf dem teppichboden waren blutflecken zu erkennen. die umrisse der beiden toten waren auf dem leintuch wage nachgezeichnet worden. “sie haben nicht mal um ihr leben gekämpft”, sagte mulder und blickte dabei zu scully. “ja, es ist als ob sie im schlaf gestorben sind. aber das kann ich mir nicht erklären, nach den pathologischen berichten zu urteilen, sind beide opfer durch nur einen messerstich direkt unterhalb des magens gestorben, welcher mit gewißheit nicht unmittelbar zum tode führt. es dauert bestimmt fünf bis zehn minuten, bis der tod eintr...” scully blieben die worte im halse stecken. gebannt schaute sie auf das zerknüllte bettuch am fußende. sie hob es ein stück an und während sie dies tat, rieselten kleine getrocknete rosenblätter aus den falten der decke. “was halten sie davon, mulder?” er beobachtete sie, wie sie eines der blätter in die hand nahm und es genau betrachtete. “na ja, vielleicht haben sie sich einen romantischen abend gemacht, und das bett mit rosenduft umhüllt”, sagte er mit einem leichten grinsen auf den lippen. scully schaute etwas gelangweilt zu ihm auf. “mit getrockneten weißen rosenblättern. nein, mulder für einen derartigen anlaß hätten sie doch mit sicherheit frische rote rosen genommen. das sollten sie eigentlich wissen. obwohl ich mir wiederum nicht vorstellen kann, dass sie viel von romantik verstehen.” bevor mulder darauf antworten konnte, sah er durch das fenster ein ankommendes polizeiauto. “das wird officer grey sein. er hat uns zu diesem fall hinzugezogen. kommen sie scully...?” sie liefen zur eingangstüre des hauses. “also sie würden für einen romantischen abend eher einen haufen von roten rosenblättern auf dem bett bevorzugen? gut zu wissen, ich notiere mir das.” mit einem selbstsicheren grinsen zog er sein notizbuch heraus. “lassen sie diesen blödsinn mulder, begrüßen sie lieber den officer.” mit diesen worten verließ sie das haus und ging auf grey zu. “agent scully vom fbi, ...sie haben meinen partner über diesen fall informiert”. der officer schaute erst auf mulder, dann auf scully. “ja genau, ich bin officer grey. wie ich sehe, haben sie sich schon ein bild vom tatort gemacht.” mulder holte ebenfalls seinen ausweis heraus und zeigte ihn für einen kurzen moment dem officer. “ja, wir haben das offensichtliche bereits gesehen. haben sie die bisherigen berichte dabei?” officer grey öffnete die beifahrertür seines dienstwagens und holte eine mappe heraus. “hier agent mulder, das ist der vorläufige fallbericht.” mulder nahm die akte. “ist der sohn der nertons immer noch der einzige verdächtige?” mit einem etwas verwirrten gesichtsausdruck sah grey die agenten an. “ähm ja, grundsätzlich schon, aber da keiner, weder wir noch irgend jemand in dieser stadt, wirklich daran glaubt, dass tommy dies getan hat, bezeichnen wir ihn auch nicht als solchen. wir haben somit noch keinen verdächtigen. deswegen haben wir ja auch das fbi um hilfe gebeten.” “und wo ist der junge jetzt?”, fragte mulder den officer in einem etwas schroffen ton. “wir haben ihn vorläufig in einem kinderheim im vorort von middletown untergebracht. dort ist er auch vor der einheimischen presse sicher. kollegen von mir bewachen ihn rund um die uhr, da wir sicher sind, dass er den mörder gesehen hat und dieser somit den einzigen zeugen ebenfalls beseitigen möchte. selbst wenn er ihn nicht gesehen hat, ist der junge in gefahr.” scully schaute den officer etwas verwirrt an. “und was ist mit dem angeblichen geständnis des jungen?” officer grey war diese ganze situation mehr als unangenehm. er kannte die familie nerton schon lange. seine frau und mrs. nerton gingen gemeinsam zu einem italienisch kurs, und sein sohn jason war gerade mal ein jahr jünger als tom. die jungs hatten oft zusammen gespielt, da die greys gerade mal zwei straßen weiter von hier wohnten. für grey war es unvorstellbar, dass tommy in der lage war, seinen eltern etwas derartiges anzutun. kein kind ist seiner meinung nach zu so etwas in der lage. um nun wenigstens den sohn der nertons zu schützen, wenn er schon nichts für die eltern des jungen tun konnte, nahm er das geständnis von tom auch nicht weiter ernst. “nun ja, es ist schon so, dass tom dem officer erzählt hat, dass er seine eltern mit dem küchenmesser erstochen hat. aber wir vom polizeirevier glauben einfach, dass diese aussage nur aus der schocksituation heraus entstanden war. sie können tom ja gerne mal besuchen, aber ich glaube, er hat die letzten tage schon genug mitgemacht.” mulder steckte die akte ein, und während er zur fahrertür seines wagens ging, drehte er sich noch mal zu dem officer um. ”wir werden auf jeden fall noch mit dem jungen sprechen. aber wir ermitteln mit sicherheit nicht nur einseitig. aber rufen sie mich bitte an, falls sie neue informationen haben.” scully verabschiedete sich von grey und folgte dann ihrem partner zum wagen. im haus von mrs fellow, sie streifte die unbequemen schuhe von ihren füßen und ging in die küche, wo sie die schranktür neben dem kühlschrank öffnete und daraufhin die kaffeemaschine in gang brachte. es dauerte nicht lange, dann trug sie ein tablett mit einer tasse kaffee und einem stück kuchen in das kleine wohnzimmer. der duft des kaffees beruhigte sie. eigentlich sollte sie kein koffein zu sich nehmen, dass würde ihren puls nur noch weiter in die höhe treiben. doch ohne eine tasse kaffee am nachmittag war ihr rhythmus völlig durcheinander. es musste jeden tag alles genau gleich sein. dieser feste tagesablauf gab mrs. fellow einen gewissen halt. sie orientierte sich daran, um nicht in die schon oft aufgetretenen depressionen zu sinken. während sie einen schluck aus der tasse trank und einmal in den kuchen biss, nahm sie die “middletown post” zur hand. sie öffnete die zweite seite und starrte auf das bekannte gesicht. “morgen, morgen werde ich ihn besuchen. ich kann den armen jungen doch nicht sich selbst überlassen. er fühlt sich bestimmt schrecklich allein.” mit diesen gedanken legte sie die tageszeitung wieder beiseite und zündete mit einem streichholz eine der kerzen auf ihrem wohnzimmertisch an. montessori kinderheim 16:47 mulder ging geradewegs zur pforte des kinderheims und hielt seinen ausweis an die scheibe. der mann dahinter schaute zuerst etwas verwirrt und ohne dass mulder etwas sagen konnte, zeigte er schon zu den aufzügen. “der killer-junge ist im 4. stock zu finden.” scully drückte ebenfalls ihren ausweis an die glasscheibe. “sie sollten mit ihren äußerungen etwas vorsichtiger umgehen. im moment könnte jeder in diesem kaff der killer sein. wie sieht denn ihr alibi aus?” mit einem giftigen blick drehte scully sich weg und ging richtung aufzug. mulder sprach bestimmt zehn minuten auf den jungen ein, aber tommy sagte kein wort. er saß nur stumm an dem kleinen schreibtisch neben dem dachfenster. er versuchte kleine muster in die tischplatte zu kratzen. immer wieder schaute er aus dem fenster, aber mulder würdigte er keines blickes. scully lehnte an der zimmertüre und beobachtete sowohl mulder als auch den kleinen kerl. ‚er sieht traurig aus’, dachte sie sich, ‚ aber wen wundert das. er hat beide eltern verloren. was muss bei diesem gedanken wohl in einem kleinen kind vorgehen?’ mulder schaute seine partnerin etwas unsicher an. scully gab ihm mit ihrem gesichtsausdruck ein zeichen, woraufhin mulder aufstand und etwas widerwillig das zimmer verließ. scully setzte sich auf das kleine bett und starrte ebenfalls zum fenster hinaus. es war still in dem zimmer, bis scully vorsichtig ihre hand auf tommys legte. er wurde ruhiger und hörte auf die tischplatte zu zerkratzen. scully rutschte etwas näher an ihn heran und nahm seine kleine hand in ihre. tommy ließ es geschehen und hob dann langsam den kopf. scully konnte soviel verzweiflung und angst in den augen des kindes sehen. dieser anblick brachte sie fast um den verstand. trotzdem blieb sie gefasst und schaute dem jungen in die augen. “du musst nichts sagen, tommy, wir dachten nur, du könntest uns helfen, denjenigen zu finden, der deiner mum und deinem dad das angetan hat.” scully leugnete innerlich die tatsache, dass tommy den mord an seinen eltern schon gestanden hatte. doch dies holte sie schnell ein, als tommy seine hand aus ihrer nahm und sich weiter an der tischplatte zu schaffen machte. er sah dabei aus dem fenster und ganz leise konnte scully ein flüstern des jungen hören. “da brauchen sie nicht mehr zu suchen. sie haben mich doch schon gefunden.” dann sah tommy ihr mit einem scheinbar provokanten blick direkt in die augen. scully zögerte kurz. “aber tommy, bist du dir da wirklich sicher? ich meine ...” “ja das bin ich!”, antwortete er schnell. “ich kann das aber nicht glauben tommy” sagte scully etwas verunsichert. tommy schwieg und schaute zu boden. “tommy, wie ist....! “lassen sie mich in ruhe. ich will alleine sein!”, blubberte es aus ihm heraus, bevor scully ihren satz beenden konnte. wortlos stand sie auf und ging langsam zur türe. bevor sie die klinke herunterdrückte, sah sie sich noch mal um. “ich werde dich wieder besuchen kommen, tommy...bis bald”. dann verließ scully das zimmer. nachdem die türe ins schloß gefallen war, schaute tommy sich um. “ja,...bis bald”, flüsterte er kaum hörbar. auf der landstraße richtung middletown, 18:39 scully hatte ihrem partner bereits von dem gespräch mit tommy berichtet. konzentriert blickte sie in die akte und studierte den fallbericht. als sie die fotos der opfer erneut betrachtete, bestätigte der anblick ihre vermutung, dass tommy zu so einer tat einfach nicht in der lage sein konnte. sie war so vertieft in den fall, dass sie gar nicht bemerkte, dass mulder schon angehalten hatte. er sah sie mit einem fragenden blick an. als scully die stille bemerkte, schaute sie auf und direkt in mulders gesichtsausdruck. “oh, wir sind schon da?” ”ja, miss scully, das ist unser domizil für die kommende nacht.” er wollte sie ein wenig aufmuntern, doch scully stieg nur wortlos aus dem auto und öffnete den kofferraum. sie nahm ihre utensilien heraus und klemmte sich die akte unter den arm. mulder holte die schlüssel für die motelzimmer und drückte einen davon scully in die hand. sie sah auf den schlüsselanhänger und während sie schon auf dem weg zu ihrer zimmertüre war, hörte sie ihn noch sagen: “ich komme dann gleich mal zu ihnen rüber, dann gehen wir die akte noch mal durch.” scully zögerte kurz und steckte dann den schlüssel ins schloß. “nein,... nein, mulder, besser nicht. ich brauche jetzt erst mal ein paar minuten für mich. es war heute alles etwas viel ... der flug, die lange autofahrt... ich melde mich später bei ihnen.” bevor mulder antworten konnte, schloss sie schon die tür von innen. hardy green motelstation, 20:34 mulder lag auf dem bett. seine gedanken drehten sich immer wieder im kreis. aber bisher gab es keinen anhaltspunkt. keine richtige spur. er ging nochmals alle fakten durch. bis er zu dem entschluß kam, dass man wohl doch dem geständnis des jungen nachgehen sollt. außerdem war er sich sicher, dass es weder der flug, noch die lange autofahrt waren, die seiner partnerin zu schaffen machten. gerade als er diesen gedankengang streifte, klopfte es an der tür. “mulder, ich bin es.” er sprang vom bett und fuhr sich kurz durch die haare. dann öffnete er. “kommen sie rein scully, ich hab schon auf sie gewartet.” er gab ihr nicht mal die zeit sich hinzusetzen. die worte kamen nur so aus seinem mund geschossen. “also, ich glaube, wir sollten in tommys umfeld mal ein paar untersuchungen durchführen. gleich morgen gehen wir mal die nachbarschaft der nertons durch, die schule von tommy, freunde, ...das alles eben. ich versteh ja, dass die örtliche polizei das kind da so gut wie möglich raushalten will, aber trotzdem sehe ich keine andere möglichkeit, zu einem ergebnis zu kommen. wir haben keine andere spur. ich weiß ja, dass sie.....” er zögerte kurz. “…dass sie an tommys unschuld ...” mulder konnte seinen satz nicht vollenden, da scully ihn blitzschnell unterbrach. “schon mulder, aber ich bin den ganzen bericht jetzt zum zweiten mal durchgegangen und bin zu dem gleichen entschluss gekommen. ich glaube an die unschuld dieses kindes, egal, was er selbst sagt, das ist richtig. und ich bin mir sicher, dass ich tommys geständnis widerlegen kann. nur brauchen wir dafür beweise und einen anderen tatverdächtigen. den richtige verdächtigen.” mulder sah seine partnerin etwas verwirrt an. ”wann waren wir das letzte mal eigentlich derselben meinung? ich finde, das sollten wir begießen.” sagte er in einem scherzhaften ton. ”ich bin eigentlich nur rüber gekommen, um ihnen meine meinung zu diesem fall zu sagen,” ignorierte sie seine aufforderung. als sie sich gerade schon umdrehen wollte und fast unhörbar ein ”gute nacht, mulder” hauchte, hielt er über ihre schulter hinweg die tür zu. ”wieso können sie mir nicht einmal sagen, wenn sie etwas bedrückt? meinen sie ich bin ein so sturer verkappter arsch, dass es mir nicht auffällt, wenn es dem wichtigsten menschen in meinem leben schlecht geht? sie sagen immer, sie würden mir vertrauen. aber wenn es um ihre gefühle geht, verschließen sie sich vor mir. warum? meinen sie, ich will das nicht hören? meinen sie, es würde mich nerven? denken sie, dass es mir egal ist, sie leiden zu sehen? das kann doch nicht wahr sein. wir haben schon soviel zusammen erlebt. sie wissen alles von mir. ich hab mein ganzes leben vor ihnen ausgebreitet, und ich ließ es zu, dass sie mir in den schwersten situationen beistehen konnten. warum lassen sie mich das dann nicht auch für sie tun?” es war still.... scully stand noch immer mit dem rücken zu ihm, immer noch die türklinke in der hand. ”scully,...bitte!”, hörte sie ihn ganz leise hinter sich. montessori kinderheim zur selben zeit tommy wälzte sich im bett hin und her. an einschlafen war nicht zu denken. er versuchte nur, irgendwie die dunkle nacht hinter sich zu bringen. immer wieder schlug er die augen auf. immer wieder hoffte er zu hause in seinem bett zu liegen und seine mum auf seiner bettkante sitzen zu sehen. ”was hab ich getan, was hab ich nur getan?”, flüsterte er. ”mum, was hab ich nur getan? bitte, komm zurück! ich bin so alleine!” eine träne rollte über seine wange. dann knipste er die kleine nachtischlampe an. draußen vor seinem zimmer sah er einen schatten auf und ab gehen. ”keine angst tommy, das ist nur der polizist, der auf dich aufpasst”, sagte er zu sich selbst. er setzte sich auf und öffnete die schublade des nachttisches. unter einem bilderbuch holte er ein kleines säckchen heraus. mit seinen kleinen fingern griff er hinein und holte etwas heraus. ”mum, dad ...bitte vergebt mir, was ich getan habe. bitte, bitte kommt zurück!” mit diesen worten legte er ein kleines weißes rosenblatt unter sein kopfkissen. er packte das säckchen zurück in den nachttisch und knipste das licht wieder aus. mit einer hand fuhr er unter das kissen und hielt das rosenblättchen fest. er konnte sein herz pochen hören. es war schnell, schneller als sonst. hardy green motelstation 20:45 ”ich kann das nicht mulder, es tut mir leid” mit diesen worten drückte sie die klinke erneut runter. doch er hielt die türe noch immer fest zu. ”nein scully, ich werde sie so nicht gehen lassen. nicht heute.” er nahm ihre hand von der türklinke. scully drehte sich zu hm, aber ohne ihn anzusehen. sie schaute mit einem leeren blick an ihm vorbei. ”was erwarten sie denn von mir mulder, dass ich in tränen ausbreche und ...?” ”na wenn ihnen das hilft”, unterbrach er seine partnerin und versuchte ihren blick einzufangen. ”nein, das werde ich nicht tun. ich werde jetzt diese tür öffnen und gehen. sie können mich nicht dazu zwingen mein gefühlsleben vor ihnen zu offenbaren, mulder.” blitzschnell drehte sie sich wieder um und verließ das zimmer. mulder konnte kaum reagieren. er sah ihr nur nach. dann schloß er frustriert die tür und setzte sich auf das bett. scully öffnete ihre zimmertür und verschwand augenblicklich dahinter. ‚warum tut er mir das an?’, dachte sie nur, während sie ins badezimmer ging. kurz darauf ließ sie die warmen wasserstrahlen über ihren kalten körper laufen. sie genoss die wärme und schloss die augen. eine träne, kaum sichtbar, lief ihre wange hinunter und vermengte sich mit den herunterströmenden wassermassen. dieser einen folgten noch viele weitere, und es dauerte lange, bis sie den wasserhahn zudrehte und sich in den weißen bademantel neben der dusche hüllte. es war schon fast mitternacht, als scully aus wirren träumen erwachte. der fernseher lief noch und das dumpfe licht hatte sie wohl nicht richtig schlafen lassen. sie stand auf um das gerät auszuschalten, als sie neben an schritte hörte. ”er kann auch nicht schlafen”, sagte sie zu sich selbst. sie ging ein paar mal ziellos im zimmer auf und ab. dann zog sie den bademantel etwas enger um sich und steckte den zimmerschlüssel ein. es klopfte. mulder sah etwas verwundert zu seiner zimmertür. ‚es ist kurz nach zwölf’, dachte er bei dem blick auf seine armbanduhr. ‚es kann nur scully sein.’ ohne groß nachzufragen, öffnete er die tür. natürlich war sie es. er ging einen schritt zurück und scully betrat ohne worte den raum. mulder schloß die tür und sie legte sich auf das große bett. keiner sagte ein wort. mulder zog seine schuhe aus und legte sich neben seine partnerin. sie hob die decke über sich und rutschte ganz nah an in, bis ihr kopf auf seiner schulter lag und er seinen arm um ihren zierlichen körper legen konnte. scully schloß die augen und lauschte seinem herzschlag. mulder sah auf seine partnerin herab, mit einer hand strich er ihr eine haarsträhne aus dem gesicht. ”schlaf jetzt”, flüsterte er liebevoll. mit diesen worten schmiegte sie sich nur noch enger an ihn. max-goldt school, 27. mai, 8:35 mulder betrat toms klassenzimmer. ‚in etwa zwanzig minuten wird es hier vor zweitklässlern nur so wimmeln’, fügte er seinem gedankengang hinzu. der schulleiter hatte die beiden agenten zu dem besagten klassenzimmer geführt und ihnen die nötigsten informationen gegeben. mulder fasste zögerlich unter die schulbank des jungen. als sein finger in etwas klebriges sank, zog er die hand zurück. ‚kaugummi, ...ansonsten ist hier nichts auffälliges.’ trotzdem warf er noch einen kurzen blick unter die schulbank. hinten im eck sah mulder dann etwas schimmern. er steckte es in einen kleinen plastikbeutel. scully sah sich inzwischen im restlichen klassenzimmer um. gerade als sie das pult näher begutachten wollte, hielt mulder ihr seine offene hand hin. ”schauen sie mal, das kommt uns doch bekannt vor.” scully nahm ein getrocknetes weißes rosenblatt aus mulders hand und sah es sich genauer an. ”ja, ich denke, hier läuft irgendwas, mulder. ich werde toms lehrerin ... wie war noch ihr name...? mrs fellow, genau... ja, ich denke, ich werde sie mal befragen.” mulder nickte nur und in diesem moment betrat mrs fellow auch schon das klassenzimmer. montessori kinderheim zur selben zeit tommy hatte schreckliche kopfschmerzen. seine betreuerin brachte ihm zwar schon eine tablette, aber auch diese wollte nicht helfen. es hämmerte wie wild und er konnte keinen klaren gedanken fassen. er schaute unter sein kopfkissen und fand dort auch das rosenblatt von vergangener nacht. zuerst sah er es nur an, dann hielt er es sich direkt an sein kleines gesicht. vielleicht waren es zwei minuten, auf jeden fall ging es ganz schnell. tommy lag auf seinem bett und schlief. als die betreuerin sein zimmer betrat, um nach ihm zusehen, lächelte sie nur sanft. ”na, wenigstens kann er jetzt schlafen”. dann schloss sie die tür und ging ihrer arbeit nach. max-goldt school 8:47 ”also haben sie nichts auffälliges an tommy bemerkt?”, äußerte mulder in einem etwas unverständlichen ton. ”nein, tommy ist ein sehr aufmerksamer schüler. er beteiligt sich immer am unterricht und kommt gut mit seinen klassenkameraden aus.” mrs fellow sprach nur gut über ihren schüler und mulder gingen langsam die fragen aus. doch dann spielte er seinen letzten trumpf aus. ”kennen sie das hier, mrs fellow?” er legte das gefundene blättchen direkt vor sie auf das pult. mrs. fellow schaute das kleine ding an und blickte dann wieder zu den beiden agenten. ”nein, was ist das?” sie nahm es in die hand und bemerkte dann ernst: ”das ist von einer rosenblüte.” ”ja, wissen sie, woher tommy das haben könnte?” scully beobachtete die lehrerin die ganze zeit und nun sah sie sie mit einem fordernden blick an. ”nein, ich könnte mir nur vorstellen, dass er es draußen beim spielen gefunden hat.” scully nahm das rosenblatt an sich und dreht sich zum gehen. ”danke mrs. fellow, wir werden bald wieder vorbeischauen.” mulder blieb nicht viel zeit, er wusste, dass seine partnerin etwas im sinn hatte. also verabschiedete er sich nur noch schnell von der lehrerin und folgte scully hinaus auf den gang. vor dem klassenzimmer standen zwei schülerinnen, die vermutlich in toms klasse gingen. scully sah sie erst kurz an, dann ging sie auf die beiden mädchen zu und sprach sie an. ”hallo, ich bin dana, na, wie heißt ihr zwei?” das blonde mädchen schaute etwas verwirrt, die andere war aufgeschlossener. ”ich bin katie und das ist meine freundin tina.” ”ihr habt aber schöne namen. passt mal auf... das ist mr. mulder. er und ich, wir versuchen tommy zu helfen.” die mädchen sahen einander an. es schien als wussten sie schon einiges von dem geschehen in jener nacht. trotzdem sah katie gespannt auf die agenten. ”...wisst ihr, was das hier ist?” mit diesen worten hielt scully den beiden mädchen das blatt unter die augen. tina schaute nur kurz hin. sie drehte sich gleich wieder weg und stupste ihre freundin am arm. katie sah tina an, doch dann machte sie einen schritt auf scully zu und sah das rosenblatt genauer an. tina sah ängstlich aus. am liebsten wäre sie davon gerannt. ”ja, das kenne ich.” dann drehte sich katie, etwas verwirrt über ihre eigenen worte, um und rannte ins klassenzimmer. tina lächelte scully an und setzte dem nur hinzu: ”ach, die weiß wieder nicht, was sie sagt.” mit einem zaghaften ”tschüss” folgte sie ihrer freundin in das klassenzimmer. ”ich glaube, dass katie genau wusste, was sie sagte, mulder.” ”was denken sie, scully?” ”haben sie nicht gesehen, wie angespannt mrs fellow war? sie konnte keinem von uns beiden in die augen schauen.” ”ja, und als ich ihr das blättchen hingelegt habe, zuckte sie richtig zusammen.” ”ich werde das nach washington ins labor schicken. ich glaube nicht, dass es ein zufall ist, dass wir so etwas hier und auch im haus der nertons fanden.” mulder nickte nur. ”gut und ich werde mich nochmals im haus der nertons umsehen und auch mal die nachbarschaft der familie etwas erkunden.” im haus der nertons 15:06 mulder hatte inzwischen sämtliche nachbarn mit fragen gelöchert. er hatte den eindruck, dass die meisten mehr wussten, als sie zugaben. inzwischen war er wieder im haus der familie nerton. diesmal sah er sich, vor allem in tommys zimmer genauer um. als er das letzte mal hier gewesen war, hatte er nicht wirklich daran gedacht, dass tommy viel mit der sache zu tun haben könnte. inzwischen war er anderer meinung. er öffnete den nachttisch und durchwühlte die schublade. außer kleinen spielzeugautos und einer kassette, fand er nur eine kleine dose. er nahm sie heraus und öffnete sie. sein handy klingelte. ”sind sie es scully?” ”ja, in etwa einer stunde bekomme ich die ergebnisse aus washington. wo sind sie, mulder?” ”ich hab mich nochmals im tommys zimmer umgesehen. ich denke, wir sind auf der richtigen spur.” ”dann komm ich jetzt da hin.” ”nein scully, das ist nicht nötig. wir treffen uns im motel. ich bin in etwa einer halben stunde da.” hardy green motelstation 15:45 mulder betrat sein zimmer. ”und, was haben sie gefunden?”, hörte er schon von drinnen. ”sehen sie sich das an, scully.” mit diesen worten warf er ihr die kleine dose zu, die er gefunden hatte. scully öffnete sie und legte sie dann wieder bei seite. ”sie haben eine theorie, nicht wahr?” ”ja, und ich bin mir sicher, dass die lehrerin mit drin steckt. sie haben selbst gesagt, dass sie sehr angespannt war, und die zwei kleinen mädchen aus toms klasse wussten auch etwas darüber. außerdem haben diese rosenblätter etwas damit zu tun. sie waren am tatort, und der junge hat doch nicht zum spaß eine ganz dose davon in seinem nachttisch.” mit diesen worten setzte sich mulder neben seine partnerin. ”aber das ist nicht alles, was ich gefunden habe. sehen sie mal hier.” scully nahm den walkman, den mulder aus seiner manteltasche zog, in die hand. ”ja und? ein walkman.” mulder schaltete das gerät ein und gab scully den kopfhörer. ”hören sie mal.” ”klaviermusik. und? hört sich doch schön an.” mulder verzog das gesicht ein wenig. ”na ja, darüber lässt sich streiten, aber trotzdem, der junge ist sieben jahre alt...” er machte eine kleine pause. ”scully, was haben sie für musik gehört, als sie so alt waren wie tom?” scully wußte nicht genau, worauf ihr partner hinaus wollte. ”gut, klassische musik gehörte damals nicht unbedingt zu meinen favoriten, aber...” ”eben, genau das.” er holte die kassette aus dem walkman und hielt sie ins licht. ”für tommy. sehen sie, scully. er hat dieses band geschenkt bekommen. und ich glaube sogar zu wissen von wem.” ”mrs fellow”, antwortete scully kurz. ”kommen sie, wir sollten der lehrerin mal zu hause einen besuch abstatten.”, sagte er noch, bevor er den walkman und das döschen wieder in seine manteltasche steckte. auf dem weg zu mrs fellow 16:04 scully hielt ihr handy schon in der hand. sie wusste, es konnte sich nur noch um minuten handeln, bis sie den anruf aus washington erhalten würde. gerade als ihre gedanken anfingen um die letzte nacht zu kreisen, wurde sie von ihrem telefon wieder herausgerissen. sie nahm den anruf entgegen und schaute währenddessen wie gebannt zu ihrem partner. das gespräch dauerte nicht mal eine halbe minute, als sie das handy schon wieder zur seite legte. mulder sah sie nur fragend an. ”flunitrazepam, mulder. das rosenblatt enthält nicht nur spuren davon, sie haben es sogar in dem blatt selbst gefunden.” ”das ist doch in schlafmitteln enthalten, rohypnol zum beispiel?” ”ja, normalerweise schon, aber ... ”soll das heißen, jemand hat rosen gezüchtet, die wie ein schlafmittel wirken?” ”so kompliziert ist das wohl gar nicht. der züchter dieser rosen hat wohl einfach das mittel in den dünger oder die erde gegeben.” scully überlegte kurz. ”das unglaubliche ist nur, dass soviel von diesem wirkstoff enthalten ist, dass allein schon der hautkontakt oder das riechen an den blättern zur leichten bewußtlosigkeit führen kann... warum sollte jemand so etwas tun? und wie gerieten diese blätter dann in die hände von tommy?” mulder erwiderte nur kurz: ”das erklärt aber auch, warum sich die beiden opfer nicht gewehrt haben. ich denke, wir sollten mrs fellow damit konfrontieren und danach den jungen.” im selben moment hielt mulder schon vor dem haus der lehrerin an. montessori kinderheim 16:13 er hatte fast den ganzen tag verschlafen. die kopfschmerzen schienen aber besser geworden zu sein. tommy stand aus seinem bett auf und setzte sich an den schreibtisch. die betreuerin hatte ihm, während er schlief, das mittagessen bereitgestellt. wirklich hunger hatte er nicht, aber ein kleiner schluck von der schon abgekühlten suppe tat ihm nur gut. nachdem er ein paar löffel gegessen hatte, legte er das besteck wieder beiseite. ein heranfahrendes auto ließ ihn aus dem fenster blicken. er wischte sich mit der serviette über den mund und verstaute das rosenblättchen wieder im nachttisch. kurz danach öffnete sich die tür. er lächelte ein wenig und fiel ihr dann in die arme. dann strich die frau über seinen kopf und flüsterte ihm etwas ins ohr. vor dem haus von mrs fellow zur selben zeit es war niemand zu hause. zuerst schaute scully durch die fenster, doch mulder hatte sich wie immer eigenständig einen zutritt zum haus verschafft. er betrat die diele, während scully um das haus lief. der garten des hauses war mehr als verwildert. es standen mehrere große bäume um das haus verteilt, und hinten war schon seit mehreren jahren nicht mehr der rasen gemäht worden. überall rankte efeu, und das unkraut hatte schon längst alles überwuchert. ‚eigentlich sehr idyllisch. es muss ja nicht immer alles geordnet sein.’, dachte scully sich, bevor sie noch weiter hinten im garten ein ganz unscheinbares gewächshaus entdeckte. mulder lief durch die kleinen alten zimmer. das haus war bestimmt schon hundert jahre alt. renoviert war es seit jahren nicht mehr geworden. er sah sich die bilder im wohnzimmer an. es gab kaum einen freien fleck an der wand. mrs fellow schien mehr als nur gläubig zu sein. ein kreuz hing neben dem anderen, und jedes bild wies eine christliche herkunft auf. im wohnzimmer stand sogar ein kleiner altar mit kerzen und einer bibel darauf. er warf nur einen kurzen blick hinein. das lukas evangelium war aufgeschlagen. soviel wußte er noch aus dem damaligen religionsunterricht. gerade als er zum fenster sah, kam seine partnerin durch den garten auf die hintertür zu. er öffnete und sie zeigte ihm das gefundene. ”na da hätten wir es ja, sie züchtet also weiße rosen”, sagte er in einem sicheren ton. scully nickte nur bestimmt und sah sich dann im wohnzimmer um. bei all den religiösen bildern und gegenständen erinnerte sie sich an das bild im hause der nertons. ”die mona lisa von leonardo da vinci.”, flüsterte sie. mulder drehte sich zu seiner partnerin um. ”was meinen sie?” scully dachte kurz nach. ”das bild hing in der wohnung der nertons. ich hab es gesehen, als wir das erste mal da waren.” scully schossen ein paar gedanken durch den kopf. dann sah sie sich noch mal um. neben dem kleinen altar lag ein schwarzer gürtel. er war mit metallzacken besetzt und diese schienen blutverschmiert. scully warf mulder eine geste zu, die ihn dazu veranlasste ebenfalls den gürtel zu betrachten. ”wir sollte jetzt gehen, mulder. für das, was wir hier tun, können wir direkt ins gefängnis wandern.” mulder stimmte ihr zu und sie verließen das haus gerade rechtzeitig. als sie um die ecke bogen, kam ihnen mrs fellow entgegen. montessori kinderheim 18:46 tommy fühlte sich immer noch nicht gut, aber auf jeden fall besser als vor dem besuch seiner lehrerin. sie hatte ihm ein kleines büchlein gegeben, in dem er nun las. hier in seinem zimmer hatte er nichts. in der tatnacht war keine zeit geblieben irgendetwas mitzunehmen. er war froh, endlich etwas zu haben, mit dem er sich beschäftigen konnte. die spielsachen, die ihm die betreuerin brachte, waren ihm zu kindisch. er hat schon lange aufgehört mit stofftieren zu spielen oder irgendwelche kinderpuzzles zu machen. das buch von mrs fellow kam ihm bekannt vor. es war dieses, aus welchem sie immer die morgengebete sprach. zuerst blätterte er nur darin... auf der suche nach bildern, da ihm das lesen immer noch etwas schwer fiel. doch als er keines fand, begann er die buchstaben auf der ersten seite zu wörtern zusammenzusetzen. hardy green motelstation 19:05 scully saß auf ihrem bett und versuchte die fakten des tages zusammen zusetzten. aus irgendeinem grund schien ihr plötzlich einiges plausibel. trotzdem waren ihr die zusammenhänge nicht klar. und welche rolle tommy in dieser ganzen situation spielte, war ihr zu diesem zeitpunkt auch noch nicht bewusst. es klopfte und sie öffnete die tür. ”und, was macht ihr köpfchen? fleißig am kombinieren?” mulder grinste während er das aussprach und schloss die tür. scully schaute ihm nach. als er sich auf das bett setze, begann sie zu sprechen. ”mrs fellow scheint sehr gläubig zu sein. das sagen die bildern und die religiösen gegenständen in ihrem hause. aber der blutverschmierte gürtel sagt noch mehr. es gibt römisch katholische glaubensrichtungen, die sogar heutzutage noch ins extreme gehen. selbstkasteiungen und andere folterungsmethoden sind bei diesen glaubensgemeinschaften üblich. es sieht für mich ganz danach aus, als ob mrs. fellow einer solchen extremistischen glaubensgemeinschaft angehört. oder sie praktiziert diesen glauben nur in den eigenen vier wänden. die weißen rosen in dem gewächshaus lassen darauf schließen, dass die getrockneten ”rohypnol-blätter” ebenfalls ihr zuzuschreiben sind.... was macht diese frau, mulder?” mulder sah seine partnerin nur an. scully setzte sich neben ihn. ”was meinten sie, als sie vorhin ”die mona lisa” erwähnten, scully?” sie dachte kurz nach. ”es gibt menschen, durchaus gläubige menschen, deren gedanke es ist, dass es noch ein weiteres evangelium gibt. ein evangelium der maria magdalena. ihre existenz ist zwar kaum zu leugnen, nur wird sie bei der römisch-katholischen kirche in einem anderen kontext erwähnt, als es vielleicht wirklich der fall war. es gibt glaubensgemeinschaften, die sie als verbündete und gefährtin jesu christus verehren. jesus soll durchaus mit ihr eine beziehung gehabt haben, und somit wäre die ganze lehre der katholischen kirch eine lüge. bis heute ist keine dieser thesen wirklich belegt oder widerlegt worden. es macht den katholiken angst, dass aufgrund von beweisen, die grundmauern ihrer kirche eines tages angekratzt, vielleicht sogar zerstört werden könnten.” mulder beobachtete seine partnerin, wie die worte nur so aus ihr herausblubberten. ”und wie kommen sie darauf? nichts deutet darauf hin, dass die nertons in irgendeiner weise ebenfalls einer extremistischen glaubensgemeinschaft angehörten.” ”doch mulder, vielleicht schon. ”die mona lisa” ist ein bekanntes symbol für *die weiblichkeit der kirche*. leonardo da vinci selbst, glaubte wohl an das fünfte evangelium der maria magdalena. ich weiß nicht, ob die nertons eine kopie des gemäldes deshalb erwarben, weil es ihnen einfach gefiel oder weil sie es als symbol für ihren glauben sahen. die religiösen differenzen zwischen der familie und mrs. fellow wären wenigstens ein mögliches motiv. wir müssen nochmals in dieses haus. vielleicht finden wir weiter hinweise darauf.” mulder nickte nur kurz. ”ich habe darüber schon mal etwas gelesen, wenn ich mich richtig erinnere. aber wenn das wahr ist, dann wäre der katholische glauben ja auf einer lüge aufgebaut.” ”ja…” scully bewegte ihren kopf hin und her. ihre halswirbel schmerzten und sie versuchte so, etwas entspannung in die verhärtete muskulatur zu bekommen. ”und es gibt hinweise darauf, dass sogar rom die wahrheit kennt und dass trotzdem versucht wird, alles zu verbergen.” mulder schaute seine partnerin an, während sie ihre halswirbelsäule lockerte. sie sah müde und völlig überarbeitet aus. ihre augen fielen beim sprechen schon fast zu. trotzdem versuchte sie wach und fit auszusehen. doch mulder konnte ihre erschöpfung deutlich erkennen. montessori kinderheim zur selben zeit tommy schlief. zum ersten mal seit der tatnacht konnte er ohne hilfe die augen schließen. er hielt immer noch das kleine weinrote büchlein in der hand. das kreuz und die eingravierten buchstaben waren im mondlicht kaum zu erkennen. unter den vorhandenen buchstaben waren deutlich neue zu erkennen. es schien, als wurden sie hinein gebrannt. ”tn” seine initialen: tom nerton. im haus von mrs nerton 20:04 sie legte den gürtel um ihren oberschenkel. sie zog ihn so fest wie schon lange nicht mehr. die metallspitzen öffneten die alten, schon etwas verheilten wunden. vor schmerzen verzog sie das gesicht. einen schrei gestand sie sich nicht ein. es war die strafe. die strafe für ihre tat. aber sie konnte nicht anders. es musste getan werden. das war ihre bestimmung. nur so konnte sie sich selbst von der sünde befreien. sie kniete vor dem altar und sah auf zu dem kreuz. es war nur noch ein flüstern zu vernehmen. während das blut an ihrem bein hinab lief und ihre strümpfe rot färbte, bat sie um vergebung. hardy green motelstation 20:35 vorsichtig legte er seine hände auf ihren verspannten nacken. zuerst zuckte sie nur leicht zurück, doch dann ließ sie die wohltuenden bewegungen seiner hände zu. ganz langsam drehte sie ihm ihren rücken zu. er lehnte an der wand. sie an ihm. noch immer strichen seine finger zart über ihren verspannten nacken. sie hatte die augen geschlossen und aufgehört nachzudenken, froh darüber, dass er schwieg. die letzte zeit hat er so oft versucht mit ihr über ihr zusammensein, ihre freundschaft und all das, was da sonst noch so war zu sprechen. gestern abend hat er es ausgesprochen. so laut und deutlich, dass es ihr schon fast wehtat. ”der wichtigste mensch in seinem leben...”, ging es ihr durch und durch. dass er für sie mehr als nur freundschaftliche gefühle empfand, war ihr schon lange bewusst, schon allein deswegen, weil es ihr nicht anders ging. so viele jahre beschritten sie alles zusammen. gemeinsam hatten sie dinge gesehen und erlebt, die wahrscheinlich kein anderer mensch auf der welt nachempfinden konnte. diese lange zeit hatte sie nicht nur zu partnern, freunden oder vertrauten gemacht. weder er, noch sie konnten sich vorstellen, jemals einem anderen menschen nahe zu sein. es war oft, als wären sie beide alleine auf diesem planeten im kampf gegen eines der undurchsichtigsten geheimnisse der menschheit. sie würde für ihn sterben und er für sie genauso. dies war keineswegs einfach nur eine floskel. es war in wirklichkeit so. schon seit langem verband sie ein gefühl, das stärker war als zuneigung oder liebe. ohne ihn wäre sie nicht mehr in der lage zu atmen, zu gehen, zu leben. sie könnte es einfach nicht mehr. sie schöpfte kraft auf seiner bloßen anwesenheit. diese leere, dieses alleinsein, nur bei dem gedanken daran spürte sie schon einen durchdringenden schmerz in ihrem ganzen körper. diese angst machte es nur noch schwerer sich voll und ganz auf ihn einzulassen. bis vor einiger zeit war alles in ordnung. doch nur eine sekunde änderte alles und doch nichts. es war ein abend, an dem ihr so viel klar geworden war. über ihre vergangenheit und ihre gegenwart. sie war sich erst nicht sicher, ob sie den richtigen weg gewählt hatte. doch wieder war es mulder, der ihr ein gefühl von halt und sicherheit gab. es war einfach nur nähe. sie hatten schon soviel schmerz und angst geteilt, warum nicht auch das? zum ersten mal spürte sie wirkliche hoffnung in sich. sie war glücklich. nur das. seine arme hielten sie die ganze nacht. ohne es vorher wirklich zu wissen, war es genau das, wonach sie sich immer gesehnt hatte. in diesem moment konnte sie sich nicht vorstellen, dass es einen morgen danach geben würde, wo sie angst davor haben könnte, ihm nicht in die augen sehen zu können. und so war es auch nicht. aber es fiel ihr schwer damit umzugehen. keiner durfte wissen, dass sie von nun an etwas mehr verband, als vertrauen und freundschaft. ihre mutter merkte schon lange zeit vorher, dass da etwas war. trotzdem hat sie nie gewagt es auszusprechen. die nächte, in denen sie alleine war, waren eine qual. doch nie hätte sie ihm das sagen können. es war merkwürdig. aber durch die nähe, die sie teilten, schien es, als würden sie sich voneinander immer mehr entfernen. es war noch oft so, wie in der letzten nacht. sie kam einfach nur zu ihm, um in seinen armen die nötige ruhe und entspannung finden zu können. er hat immer versucht mit ihr zu sprechen. über diese nächte, diese gefühle. doch bisher war sie einfach nicht in der lage darauf eingehen zu können. sie wußte, dass es ihm wehtat, sie so zu sehen, aber die angst vor einer veränderung war stärker. es schien, als hätte er aufgegeben, sie zum reden zu bewegen. als würde es einfach ein stilles abkommen zwischen ihnen beiden geben. zwischen den tagen und den nächten lagen welten. dass das nicht für immer so bleiben konnte, war ihr durchaus bewusst. aber sie hatte scheinbar nicht die kraft es zu ändern. immer noch hielt er sie. seine hand fuhr ihren arm entlang bis hin zu ihrer hand. sanft strich er über ihre finger und nahm ihre hand in seine. ein wenig hob sie ihren kopf und versuchte ihn anzusehen. aber nur für einen kurzen moment. sie lehnte sich wieder an seine schulter und flüsterte kaum hörbar etwas, was ihn dazu bewegte sie nur noch näher an sich zu ziehen. ”wenn es nur immer so sein könnte, wie jetzt”, flüsterte sie, während sich ihre augen schlossen. 28. mai 5:53 die ersten sonnenstrahlen drangen schon durch die jalousien. wieder ein neuer tag. er traute kaum sich zu bewegen, da sie immer noch in seinem arm schlief. erst beobachtete er sie nur. dann strich er mit seinem finger ganz sanft ihre gesichtszüge nach. mulder genoss es immer wieder seine partnerin so zu sehen. ihr herz schlug ganz ruhig und er konnte ihr sogar im schlaf ansehen, wie glücklich sie war, bei ihm sein zu können. er lag einfach nur da und betrachtete sie. ”du bist so wunderschön”, hauchte er fast unhörbar in ihr ohr. dann küsste er sie vorsichtig auf die stirn und entzog sich langsam ihrer umarmung. gerade als e die badezimmer tür schloss warf er nochmals einen kurzen blick auf das bett. er sah wie scully heimlich ein auge öffnete. er grinste nur. ”ich wusste, dass du wach bist.” sie lächelte ihn an ”nein, wusstest du nicht!” als er aus dem badezimmer kam, war sie schon weg. er dachte kurz nach und war sich dann sicher, dass sie in sein zimmer gegangen war, um sich herzurichten. er hob die mappe vom boden und sortierte die fallberichte und fotos ein. gleich würde er hinausgehen und sie würde schon am auto warten. kein wort würde über die letzte nacht fallen, wie immer. sie würde sich in das auto setzen und irgendwas von dem fall erzählen. ‚ich werde sie dann ansehen und das gefühl haben, dass nichts gewesen ist.’ etwas deprimiert sah mulder in den spiegel und streifte sich zweimal kurz durch die haare. er richtete die krawatte zu recht und steckte den zimmerschlüssel ein. es war tatsächlich so. scully stand am auto und starrte auf ein beschriebenes blatt papier. er konnte es nicht lassen, und provokant wie er war, entfuhr ihm schnell eine spitze bemerkung, denn er wusste, dass sie nach wie vor wert darauf legte, tagsüber, auch wenn sie glaubten alleine zu sein, gesiezt zu werden. ihm wäre das egal gewesen. aber er verstand auch ihre intention. sicher wäre es im fbi gewissen leuten aufgefallen, wenn sie auf einmal nicht mehr auf dieser formellen schiene miteinander kommunizieren würden. die konsequenz dieser erkenntnis könnte eine trennung von seiner partnerin bedeuten. dies wollte er keinesfalls riskieren, aber hier war ja weit und breit keiner, den das in irgendeiner art und weise interessieren konnte. ”na scully, haben sie gut geschlafen. ich habe letzte nacht ziemlich gefroren. brrrr...mir ist immer noch kalt. die bettdecken sind einfach viel zu klein.” scully starrte ihn nur an. ”ja, mulder, danke der nachfrage.” ihr kam das ganze irgendwie lächerlich vor, aber sie war trotzdem nicht in der lage darauf weiter einzugehen. auf dem weg zum montessori kinderheim 7:28 zuerst war es still. keiner sagte ein wort. mulder sah keinen sinn darin, seine partnerin weiter zu provozieren. scully war ohnehin in den bericht vertieft. heute schon früh am morgen hatte sie die schriftlichen ergebnisse der pflanzenprobe aus washington erhalten. ”es ist tatsächlich flunitrazepam. kein zweifel. und das blatt stimmt mit dem aus mrs fellows garten überein. es ist die identische pflanzenstruktur”, sagte sie dann irgendwann. ”na dann bin ich ja mal gespannt, was tommy zu unserer vermutung sagen wird”, äußerte mulder in einem etwas gelangweilten ton. scully bemerkte schnell, was ihren partner zu bedrücken schien. zuerst sah sie ihn nur an, dann legte sie ihre hand auf seine. ”also ich hab letzte nacht nicht gefroren.” noch während sie das sagte, lächelte sie zaghaft. mulder nahm ihre hand unter seine und sah weiter auf die straße. er wusste, wie schwer ihr das fiel. montessori kinderheim 8:13 nachdem scully schon letztes mal mehr glück bei tommy hatte, wartete mulder von vornherein im auto. scully sprach besser alleine mit ihm. sie betrat das zimmer und fand das gleiche bild wie beim letztmaligen besuch vor. nur hantierte er dieses mal nicht nervös an der tischplatte, sondern er saß vor einem geöffneten buch. ”hallo tommy, na wie geht es dir?” tommy blickte von seinem buch auf. er hatte nicht bemerkt, dass jemand hereingekommen war. schnell schlug er das büchlein zu und steckte es unter seinen pullover. für scully war damit offensichtlich, dass der junge etwas vor ihr verbarg. sie setzte sich schon wie beim letzten mal auf das bett. ”es wäre schön tommy, wenn du mir heute mehr erzählen könntest, als beim letzten mal.” tommy sah sie mit einem bösartigen blick an. ”wieso denn, ich hab ihnen doch letzte mal schon alles gesagt? was wollen sie denn noch von mir? ja, ich habe meine eltern umgebracht. reicht das denn nicht?” ohne irgendwas darauf zu sagen, hielt scully dem jungen das getrocknete rosenblatt hin. tommy sah sie entgeistert an. ”woher haben sie das? wer hat ihnen das gegeben?” scully merkte sofort, dass tommy die tatsache beunruhigte, dass sie im besitz dieses blattes war. ”pass auf tommy, wenn du wirklich bei der aussage bleibst, dass du deine eltern mutwillig getötet hast, wird sich dein ganzes leben verändern. du bist zu jung um ins gefängnis zu gehen, aber meinst du etwa, dass ein siebenjähriger, der seine eltern umgebracht hat, irgendwelche zukunftschancen hat?” scully wusste, dass das sehr hart klang. aber sie sah keinen anderen weg, den jungen zum reden zu bringen. es dauerte einen kleinen moment, dann stand tommy auf. er ging zu seinem nachttisch und holte das säckchen aus der schublade. scully war nicht sonderlich überrascht, als sie weitere rosenblätter darin fand. ”tommy, du bist doch ein gesundes kind? wieso brauchst du beruhigungsmittel um schlafen zu können?” tommy kniff seine kleinen augen zusammen. ”ich kann doch schlafen. aber mrs fellow meint, dass mich die blätter vor allem unheil beschützen. deswegen lege ich jede nacht eines unter mein kopfkissen.” ”magst du mrs fellow denn?” ”ja, sie ist für eine lehrerin ganz o.k.. ihr unterricht ist auch ganz lustig. am liebsten mag ich die märchenstunden.” scully überlegte kurz. märchenstunden, ...tommy war schon in der zweiten klasse. sie konnte sich nicht erinnern, dass dies zum lerninhalt der zweiten klasse gehörte. ”was erzählt sie euch denn für märchen?” ”erst hören wir musik, dann singt sie immer so vor sich hin, und dann darf einer aus der klasse in die märchenwelt gucken. da wedelt sie dann mit so einer kette vor einem herum.” ”hat sie das mit dir auch schon gemacht?” ”na klar, schon oft. ich bin ja auch immer brav. deswegen komme ich meistens dran mit märchen gucken. bisher hab ich aber noch nie so richtig eines gesehen. ich mach da bestimmt irgendwas falsch.” scully war mehr als verwirrt. wenn die lehrerin wirklich das tat, was sie vermutete, dann... ”warum gucken sie denn jetzt so komisch. hab ich wieder das falsche gesagt?”, fragte tommy mit einem genervten unterton. ”nein tommy, ganz und gar nicht… du hattest doch da eben so ein büchlein. darf ich das mal sehen?” tommy griff an seinen pullover. ”aber das ist das einzige hier, mit dem ich mich beschäftigen kann. alles andere ist babykram.” scully schaute auf den boden und betrachtete die ganzen spielsachen. dann versuchte sie es auf die altbekannte methode: wenn...dann! das wirkt bei den meisten kindern, dachte sie. ”tommy, pass auf. wenn du mir das buch ausleihst, dann bringe ich dir bei meinem nächsten besuch ein ferngesteuertes auto mit. na, was hältst du davon?” tommy drückte das büchlein nur noch fester an sich. er zögerte zuerst. ”aber nur, wenn es ein sportwagen ist. diese geländewagen sind uncool.” scully nickte und tommy hob langsam seinen pullover hoch. ”na gut, aber ich will es zurück, wenn sie es gelesen haben. mrs. fellow sagte, dass hier alles drin steht, was ich jemals wissen muss.” scully setzte sich in das auto. mulder sah sie nur an. ”was ist los scully, sie sind ja ganz blass?” ”mulder, wenn es das ist, von dem ich denke, dass es es ist.... das wäre einfach... ich kann das nicht glauben.” ”was hat er denn gesagt?” ”fahren sie los mulder, ich brauche erst mal was in den magen.” mulder bemerkte, dass sie beide tatsächlich noch nichts gegessen hatten. er drehte den schlüssel und fuhr in richtung stadtmitte. jonnys fast food store 9:56 scully hatte mulder bereits über das gespräch mit tommy informiert. während sie an dem immer noch heißen kaffee nippte, malträtierte er seinen hamburger mit einem zahnstocher. scully stellte den becher ab und nahm mulder den zahnstocher aus der hand. ”essen sie jetzt, sonst wird er noch kalt.” mulder sah seine partnerin an. dann begann er diesen ganzen fall nach und nach aufzuschlüsseln. ”mrs fellow verabreicht den kindern mit hilfe der rosenblüten schlafmittel, die es ihr nicht nur leicht machen die kinder in hypnose zu versetzten, sondern auch halluzinationen hervorrufen. und als sie tommy in hypnose versetzte, hat sie ihm suggeriert seine eltern zu töten?” ”ich weiß mulder, das ist krank, aber im moment kann ich mir das nur so vorstellen. das buch hier enthält alle vier evangelien, die auch in der bibel stehen. mrs fellow hat das buch dem jungen geschenkt, mit den worten ”da steht alles drin, was du wissen musst.” das hat mit sicherheit was mit ihrer strengen religiosität zu tun. aber allein wegen der gezüchteten rosen, die wir auch in tommys zimmer, im schlafzimmer der eltern und jetzt erneut bei tommy gefunden haben, reicht das vorerst für die untersuchungshaft.” mulder nickte und stimmte seiner partnerin zu. es war selten, dass die zwei agenten von vornherein ähnlicher, sogar gleicher meinung waren. doch in letzte zeit war das häufiger der fall. scully wurde immer offener, was paranormale phänomene und dergleichen betraf. sie konnte das gesehene einfach nicht mehr leugnen. dafür hatten sie und mulder schon zuviel gesehen. außerdem, und das wusste mulder, war es für scully in diesem fall das wichtigste die unschuld des jungen zu beweisen. dafür hätte sie sogar außerirdische als erklärung akzeptiert. doch die waren an dieser tragödie diesmal wohl nicht beteiligt. mulder hatte seinen hamburger noch nicht mal angerührt, als scully im begriff war, die örtliche polizei über ihre ermittlungen zu informieren. mulder biss gerade in den hamburger, als ihm plötzlich ein gedanke kam. da er den mund voll hatte, machte er mit seinen händen wilde gesten, die scully dazu bewegten, das telefon wieder auszuschalten. ”was ist denn mulder, ersticken sie gerade?” mit immer noch vollem mund versuchte mulder sätze zu formulieren. ”scully, sie sind ärztin. sie sollten wissen, wie jemand aussieht, der am ersticken ist.” dabei ließ er ein breites grinsen zu. ”schlucken sie erstmal runter.” ”glauben sie, mrs fellow würde uns die wahrheit über ihre schandtaten mitteilen, wenn sie im gefängnis sitzt?” ”ich weiß nicht mulder, aber das tut doch erst mal nichts zur sache.” ”doch, tut es... passen sie auf. die rosenblätter .... das ist zwar ein beweis, aber der wird ihr nicht die strafe einbringen, die sie verdient. wir müssen hinter das motiv kommen. und dieses wird sie uns nicht einfach so mitteilen. im moment ahnt sie noch nicht, wie nah wir an der sache dran sind. das heißt wir haben noch zeit. wir fahren jetzt in die schule und versuchen mit ein paar schülern, vielleicht auch ein paar lehrern zu sprechen. auch dem, was sie gestern über die mögliche glaubensrichtung der nertons gesagt haben, sollten wir unbedingt nachgehen. es kann sich hier in meinen augen nur um eine religiöse diskrepanz handeln.” ”aber mulder, meinen sie nicht, dass dadurch nur noch mehr menschen in gefahr sind? wer weiß, wen sie heute morgen wieder unter hypnose hatte, und welcher ihrer schüler heute nacht seine eltern absticht!” mulder machte ein verzogenes und gleichzeitig ein sehr ernstes gesicht. ”es ist die musik, scully. haben sie nicht gesagt, dass tommy davon auch was erzählte? sie nimmt den kindern diese kassetten auf. die musik hat in tommys gehirn irgendetwas ausgelöst, das bewirkte, dass er seine eltern zuerst mit den rosenblättern betäubt hat und sie dann umgebracht hat. bei ihm war es kein trancezustand oder so, es war einfach nur ein ausraster. hervorgerufen und ausgelöst durch die musik. sie programmiert die kinder. das ist fast noch schlimmer wie hypnose.” scully konnte seinen worten gar nicht so schnell folgen, als er sie sagte. aber es schien ihr plausibel. auf der landstraße zum montessori kinderheim zur selben zeit noch nie in den letzten jahren hatte mrs fellow einen tag urlaub genommen, geschweige denn, dass sie krank gewesen war. die wochenenden und ferien waren lange genug. doch dieses mal sah sie keine andere möglichkeit. sie fuhr schnell. schneller als sonst. als sie von weitem schon das kinderheim sah, wurde ihr herzschlag schneller. sie parkte direkt vor dem eingang. ”hallo tommy, na mein schatz, wie geht es dir?” ”hallo mrs fellow. sie haben doch gesagt, dass sie heute keine zeit haben? außerdem ist jetzt doch schule. was machen denn die anderen kinder ohne sie?” ”das ist schon o.k. tommy, du bist ja auch einer meiner schüler. und wenn du nicht in die schule kommen kannst, dann kommt die schule eben zu dir.” tommy schaute etwas unverständlich. ”soll das heißen, dass wir jetzt unterricht machen?” ”nein tommy, ich dachte nur ich schau mal vorbei, bringe dir ein kleines geschenk und lese dir etwas aus dem buch vor, dass ich dir gestern mitgebracht habe.” tommy hörte den rest des satzes schon gar nicht mehr. ”ein geschenk? toll, was ist es?” mrs fellow nahm tommys hand. ”gleich mein junge, erst lesen wir.” ”das geht aber nicht mrs fellow. die frau hat es mitgenommen. aber sie bringt mit dafür ein ferngesteuertes auto mit. einen sportwagen, keinen geländewagen.” mrs fellow traute ihren ohren nicht. ”tommy, was hast du getan? dieses buch ist wichtiger als alles auf dieser welt! ich habe es vor langer zeit geschenkt bekommen. das hättest du nicht tun sollen!” sie machte eine kurze pause. ”war die frau von der polizei?” ”schon, aber nicht von hier. die kommt auch der großstadt, das sieht man gleich.” mrs fellow war nicht mal mehr im stande sich von tommy zu verabschieden. sie lief nur noch aus dem zimmer. tommy sah ihr nach. ”aber mrs fellow, was ist denn mit meinem geschenk?”> das hörte sie schon gar nicht mehr. mit durchgedrücktem gas fuhr sie richtung stadt. tommy sah ihr vom fenster aus nach. max-goldt school 11:50 keiner der lehrer konnte mulders vermutung bestätigen. sie alle beschrieben mrs fellow als freundliche und engagierte kollegin. keiner von ihnen hatte jedoch privat kontakt zu ihr. jeder, mit dem mulder gesprochen hatte, kannte sie nur von der schule. sie sei alleinstehend und hätte keine einfache kindheit deswegen. deswegen hätte sie wohl auch nie geheiratet. so eine der aussagen eines kollegen. inzwischen war es kurz vor zwölf. gleich würde die schulglocke zu mittagspause läuten. ”ach scully, erinnert sie das hier nicht auch an ihre schulzeit? ich blicke da ja schon mit gemischten gefühlen darauf zurück, aber irgendwie war es im nachhinein eine ziemlich entspannte zeit. na die grundschulzeit jedenfalls. als dann meine schwester...ach, lassen wir das.” scully sah ihn an. ”ich ging schon gerne zur schule. später dann aber nicht mehr nur um zu lernen. ich denke immer noch gerne an die netten jungs aus meiner highschoolzeit.” ”scully, wollen sie mich eifersüchtig machen?” er schaute dabei sehr ungläubig. mit ein paar schnellen schritten überholte sie ihn und setzte sich auf die bank vor tommys klassenzimmer. und diesmal schenkte sie ihm einen provokanten blick ”aber nein, wo denkst du hin!” seine verwunderung wurde durch die schulglocke übertönt. plötzlich öffneten sich wie bei einem feueralarm alle türen. aus jedem klassenzimmer strömten die kinder heraus. scully stand wieder auf, um nach der kleinen katie ausschau zu halten. mulder sah gar nichts mehr. so viele kinder. jungs, mädchen, rote pullover, blaue kleidchen, grüne hosen. er kam sich vor wie in einem riesigen ameisenhaufen. scully griff nach links und hielt ein kleines mädchen fest. ”wow, scully, wie haben sie das gemach?” ”na, ich habe eben einen blick für kinder.” mit diesen worten zog sie katie aus dem getümmel heraus. mulder sah seiner partnerin zu, wie sie das kleine mädchen beiseite nahm. ‚emily’, dachte er. ‚emily wäre jetzt genau so alt.’ er wollte diesen gedanken schnell wieder verdrängen, aber es ging nicht. er konnte an nichts anderes denken, als er scully dabei beobachtete, wie sie zuerst versuchte das mädchen zu beruhigen und dann ein gespräch mit ihr anfing. gemeinsam verließen die zwei agenten das schulgebäude. mulder hielt seine partnerin kurz am ärmel fest. ”was hat sie denn gesagt scully?” ”wie mulder, ...was hat sie gesagt? sie waren doch dabei?” scully verstand die frage ihres partners nicht so ganz. ”es war so laut, ich habe nur ein paar fetzten mitbekommen.” er schaute sie dabei nicht an. sie hätte sofort gesehen, dass er log. und er wäre mit sicherheit der letzte, der sie auf emily ansprechen würde. alte wunden sollte man nicht aufreißen, dachte er nur. ”kommen sie, ich erzähl es ihnen auf der fahrt.” mulder schloß den wagen auf. ”wo fahren wir denn hin?” ”zu der familie bouviée, katies eltern.” dabei bemerkten sie nicht den grauen ford, der vorne um die ecke bog. mrs fellow bekam es allmählich mit der angst. es sah aus, als kämen die leute vom fbi langsam aber sicher hinter ihr furchtbares geheimnis. das haus der bouviées 13:04 es dauerte eine weile, bis scully katies mutter davon überzeugt hatte, dass alles in ordnung war. beim anblick der beiden agenten rechnete die frau mit dem schlimmsten. ”nein, mit katie ist alles in ordnung. wieso fragen sie? mrs fellow ist eine gute lehrerin. katie erzählt oft von ihr. einzig und allein mit ihrem religionsunterricht können wir uns nicht ganz anfreunden. aber es kann ja nicht alles perfekt sein.” mulder ergriff vor seiner partnerin das wort. ”wie meinen sie das? gab es in dieser hinsicht schwierigkeiten?” ”nein, so war das nicht gemeint. es ist nur so, dass mein mann und ich über die kirche und den christlichen glauben etwas anderes denken, als es die schulen heute vermitteln. das hat aber sicher nichts mit mrs. fellow zu tun. sie ist wirklich eine ganz wundervolle person.” jetzt meldete sich auch scully zu wort. ”ist es möglich, dass sie in religiöser hinsicht ähnliche überzeugungen haben, wie die nertons sie hatten?” mrs bouviée wurde etwas unsicher. ”ähm, ja, schon. durch ihre überzeugungen haben wir ja erst diesen weg für uns entdeckt.” mulder bekam einen etwas panischen gesichtsausdruck. ”mrs bouviée, darf ich mich mal kurz in katies zimmer umsehen?” ”na ja, ich glaube nicht, dass ihr das besonders recht wäre, aber wenn es ihnen hilft, den mörder unserer freunde zu finden. hier geradeaus und dann das erste zimmer links.” mulder zögerte nicht lange und betrat das kinderzimmer, während scully bei mrs bouviée blieb und weiterhin versuchte etwas beruhigend auf sie einzureden. mulder war nicht mal eine halbe minute in katies zimmer, als er schon wieder herausstürmte. ”kommen sie, scully. danke mrs bouviée. sie brauchen sich keine sorgen zu machen. weder um katie, noch um ihre sicherheit. heute nacht werden ein paar polizisten ihr haus bewachen. nur als vorsichtsmaßnahme. auf wiedersehen....” mit diesen worten schob er scully aus der tür. max-goldt school zur selben zeit ”katie, ...katie komm mal her.” ”hallo mrs fellow, sie sind ja doch da!”, schrie das kleine mädchen über den pausenhof. mrs fellow legte ihren zeigefinger über den mund, worauf katie schwieg. sie flüsterte nur noch. ”warum verstecken sie sich denn?” ”das ist nicht so wichtig, katie. ich wollte dir nur das geschenk bringen, von dem ich dir neulich erzählt habe.” ”oh, das ist ja toll, ein walkman. danke, mrs fellow, danke. meine mummy würde mir so etwas nie schenken. sie sagt immer, dass kopfhörer die ohren kaputt machen.” ”na gut, dann zeig ihn deiner mum auch nicht. sie nimmt ihn dir sonst bestimmt weg.” katie strahlte über das ganze gesicht, als sie nickte und dann das kleine musikgerät begutachtete. doch als sie wieder aufsah, war ihre lehrerin schon verschwunden. ”danke mrs fellow”, flüsterte sie noch ” bis bald” auf dem weg zu mrs fellows haus 15:24 scully hat inzwischen eine lange diskussion mit officer grey geführt und ihn dann doch dazu gebracht, zwei seiner männer vor dem haus der bouviées zu postieren. mulder hatte ihr mitgeteilt, dass auch in katies nachttische diese rosenblätter zu finden waren und dass er glaubt, dass ihre eltern die nächsten opfer wären. schon alleine wegen des religiösen motivs. er hatte zwar alle blätter mitgenommen, glaubte aber, dass katie sicher noch mehr davon besaß. ”mulder, aber woher wollen sie wissen, dass die bouviées gefährdet sind? jeder in dieser stadt könnte ein opfer sein.” ”ich weiß nicht scully, vielleicht ist es auch nur ein gefühl. auf jeden fall ist die familie so erstmals abgesichert.” ”ja, aber theoretisch müssten die beamten neben katies bett sitzen, um die gefahr im griff zu haben. so komisch sich das anhört.” ”so wie sie es grey eben gesagt haben, werden die das kinder sicherlich im auge behalten, und wir werden die lehrerin beobachten. ich bin ja gespannt, ob sie wirklich so krank im bett liegt, wie es der schulleiter heute morgen gesagt hat.”> vor dem haus von mrs fellow 16:36 sie starrten beide aus dem fenster. ihre position war gut gewählt. sie sahen das ganze haus und auch den garten. trotzdem konnten sie, zumindest von mrs fellow, nicht gesehen werden. der graue ford stand in der einfahrt. daraus schlossen sie, dass die lehrerin zu hause war. ”und wie lange gedenken sie nun hier zu stehen mulder?” sie sah ihn dabei nicht mal an. ”wir könne ja ”mensch ärger dich nicht” spielen oder karten. haben sie welche dabei?” scully warf ihm nur einen genervten blick zu. dann ließ sie ihren kopf zurücksinken. sie fasste sich mit einer hand in den nacken. die verspannungen hatten sich zwar nach der gestrigen massage ihres partners etwas gelöst, trotzdem trug der heutige tag nicht gerade zur besserung bei. mulder beobachtete sie nur aus dem augenwinkel. ”tut es wieder weh?”, fragte er ganz ruhig und etwas zurückhaltend. scully lies kurz ihren kopf kreisen. ”nein, es geht schon.” mulder schenkte ihr nun seine volle aufmerksamkeit und sah sie herausfordernd an. es dauerte kurz, bis scully seinen standhaften blick wahrnahm. dann sah sie ihn etwas irritiert an. doch bevor sie irgendetwas sagen konnte, ergriff er schon wieder das wort. ”ich hab dich gefragt, ob es dir wieder wehtut!” er sah sie so starr an, dass es ihr schon fast angst machte. sie wusste, er würde diesmal ausrasten, wenn sie seine frage noch ein weiteres mal verneinte. also vermied sie den augenkontakt und schaute zu boden. ”es tut schon etwas weh”, sagte sie leise. mulder hörte auf sie anzustarren. ”na also, ist doch gar nicht so schwer.” er blickte stur auf mrs fellows haus. scully beobachtete ihn. er sagte kein wort mehr, starrte nur gerade aus. während sie es sagte, konnte sie nicht glauben, dass diese worte tatsächlich aus ihrem mund kamen. ”erst zwingst du mich, dir zu sagen, dass ich schmerzen habe und dann ignorierst du mich. kannst du mir mal sagen, was das soll? es tut wirklich weh.” dabei faßte sie sich wieder an den nacken, und erwartete wohl, dass mulder ihr dieselbe massage zukommen ließ, wie am vergangenen abend. mulder schenkte ihr einen geschockten blick. ”aber scully, jetzt gehen sie zu weit. haben sie irgendwelche medikamente genommen? ich erkenne sie ja gar nicht wieder!” dann grinste er nur noch und schüttelte betroffen den kopf. ”sie haben wohl etwas zuviel an den blättchen geschnuppert.” innerlich kochte sie. am liebsten hätte sie ihn angeschrien. ihm endlich alles gesagt. alles was sie empfand und wie dankbar sie ihm war, für die gemeinsamen nächste, seine nähe, seine liebe. aber sie konnte nicht. ohne ein wort unterbrach sie den blickkontakt. sie konnte seinem alles sagenden gesichtsausdruck nicht standhalten. also schaute sie nach draußen, so als ob die letzten minuten nie passiert wären. er war sich nicht sicher, ob sie seiner reaktion gewachsen war. sein triumphierender gesichtsausdruck wandelte sich in einen besorgten. erst sah er nur zu, wie sie innerlich mit sich kämpfte, dann legte er vorsichtig seine hand auf ihre schulter. im haus von mrs fellow 17:05 wieder schnallte sie sich den gürtel um das bein. diesmal zog sie ihn noch enger. die schmerzen raubten ihr fast den verstand. sie kniete nieder, voller verzweiflung. ein kurzes stöhnen entwich ihr, bevor sie in tränen ausbrach. ”ist es das was du von mir verlangt hast, mein vater? ist es wirklich das? es kann nicht richtig sein, diesen kindern die eltern zu nehmen. warum muss ich das tun?” dann fiel sie bewusstlos zu boden. davon bekamen die zwei agenten vor ihrem haus jedoch nichts mit. im haus der familie bouviée 18:12 ”katie, hol deinen dad! das abendessen ist fertig!”, rief mrs bouviée durchs haus. katie schob den walkman unter ihr bett. ”ja mummy, ich bin schon auf dem weg.” sie lief hinaus in den garten und suchte nach ihrem dad. mr bouviée beschäftigte sich wie so oft nach einem arbeitsreichen tag mit seinem garten. es war eines seiner hobbys, den rasen und die blumenbeete zu pflegen. er sah zur terrassentür und erblickte seine kleine tochter. sie rannte los, als er ihr seine aufmerksamkeit schenkte. ”daddy, das abendessen ist fertig!” mit diesen worten sprang sie in seine arme. er fing katie auf und wirbelte sie durch die luft. dann küsste er seine tochter auf die stirn. ”na dann wollen wir mal sehen, was mummy uns leckeres gekocht hat!” lächelnd trug er sie ins haus. montessori kinderheim 19:35 ”kommen sie schnell! ich weiß nicht, was er hat!” die betreuerin führte den notarzt in tommys zimmer. ”zuerst dachte ich, es sei ein fieberkrampf, aber dann hat er angefangen zu schreien, und seine temperatur war auch völlig normal. ich wusste einfach nicht, was ich sonst für ihn tun kann!” der arzt betrat tommys zimmer und fand den kleinen jungen wild strampelnd und keuchend auf seinem bett vor. er sah die heimleiterin zuerst fragend an, dann setzte er sich auf die bettkante. tommy war schweißgebadet. wie verrückt schlug er um sich. der arzt beobachtete ihn kurz, dann versuchte er das kind, indem er seine hand auf tommys bauch legte, zu beruhigen. ”was meint er denn damit, wir sollen sie herholen?” ”ich weiß es nicht, er schreit das schon die ganze zeit.” ”könnte es sein, dass ihm der tod seiner eltern nun wirklich bewusst geworden ist?” die betreuerin sah den arzt etwas verwundert an. ”na ja, das ist schon möglich, aber ... ich glaube, es wäre am besten, wenn ich die leute vom fbi verständige. vielleicht wissen die, wen er damit meint.” vor mrs fellows haus 19:46 ”scully, sie fahren ins kinderheim und ich bleibe hier. einer von uns muss nach dem jungen sehen. ich glaube, er ist der schlüssel zu all dem.” mulder stieg aus dem wagen und gab scully den autoschlüssel in die hand. ”sie sagen mir bescheid...?” scully nickte etwas verwirrt und startete dann den wagen. mulder wagte sich etwas näher an das haus. inzwischen war es dunkel geworden und er konnte unbemerkt durch die fenster sehen. zuerst schaute er durchs küchenfenster. mrs fellow war nirgends zu sehen. dann schlich er um das haus herum durch den verwilderten garten. die jalousien im wohnzimmer waren heruntergelassen und er wunderte sich, dass durch die ritzen nur ein schwaches licht zu erkennen war. ”kerzenlicht” sinnierte er vor sich hin. er lief zu dem nächsten fenster und dann sah er sie. zusammengekauert lag sie auf dem fußboden. neben sich eine blutlache. mulder holte seine waffe heraus und trat zweimal fest gegen die terrassentür bis sie sich öffnete. im hause der familie bouviée 20:04 mrs bouviée schaute aus dem küchenfenster. die polizisten vor ihrer hauseinfahrt machten ihr einerseits ein ungutes gefühl, aber auf der anderen seite fühlte sie sich dadurch auch sicherer. nur wußte sie nicht einmal, wovor sie sich fürchten sollte. nie kam ihr der gedanke, dass ihre eigene tochter eine gefahr für sie darstellen konnte. nachdem sie den abwasch erledigt hatte, ging sie ins wohnzimmer und setzte sich auf die couch neben ihren mann. ”geht es dir gut? du siehst müde aus, schatz.” ”na ja, es war ein anstrengender tag. und du weißt selbst, wie nervenaufreibend es ist unsere kleine ins bett zu stecken. aber jetzt schläft sie und der rest des abends gehört uns.” er gab seiner frau einen kuss auf die wange und lehnte sich dann wieder zurück. sie rutschte neben ihn und lehnte ihren kopf an seine schulter. im fernseher lief nichts besonders interessantes, aber sie wollten die nachrichten noch abwarten. es dauerte nicht lange, als sie über sich ein schnarchendes geräusch wahrnahm. ” sie sah auf und erkannte, dass ihr mann schon schlief. vorsichtig strich sie ihm über seine bartstoppeln und flüsterte ihm zärtlich etwas ins ohr. ”du solltest dich morgen unbedingt mal wieder rasieren, schatz.” dann widmete sie sich wieder dem fernsehprogramm. katie sah sich um. es war ruhig im haus ihrer eltern. wahrscheinlich sahen sie fern. mit einer hand griff sie unter ihr bettchen. es dauerte eine weile, bis sie das kleine gerät zu fassen bekam. dann setzte sie sich die kopfhörer auf und drückte die playtaste. ”musik... schön, das hilft mir sicher beim einschlafen.” sie legte sich zurück auf ihr kissen und versuchte zu schlafen. in der einen hand der walkman, in der anderen hand eine kleine rosenblüte. montessori kinderheim zur selben zeit scully stürmte in tommys zimmer. ”was ist mit ihm? lassen sie mich sehen, ich bin ärztin!” der notarzt stand auf und warf der agentin einen etwas unsicheren blick zu. ”ich weiß auch nicht. es ist als sei er im delirium. die ganze zeit schon verlangt er ”dass wir sie herholen sollen”. wir wissen aber nicht, wen er damit meint.” ”er will seine lehrerin davon abhalten, weitere menschen zu töten.” sagte scully selbstsicher. für diese aussage erntete sie nur ungläubige blicke. der arzt war zuerst in der lage etwas zu erwidern, während die heimleiterin nur regungslos neben dem kinderbett stand. ”aber wie kommen sie denn darauf? was soll das heißen?” scully wollte keine zeit mit irgendwelchen erklärungen verlieren und wandte sich nur kurz dem arzt zu. ”das ist eine längere geschichte. tun sie einfach das, was ich ihnen sage. ich erkläre ihnen den rest später. ... richten sie den jungen auf und geben sie ihm 2mg flunitrazepam.” jetzt sah der arzt die agentin noch ungläubiger an. ”sie wollen, dass ich einem siebenjährigen rohypnol verabreiche? das ist ein witz?” ”seh ich so aus, als wäre ich im moment in der lage scherze zu machen? tun sie jetzt was ich ihnen sage!” scullys blick veranlasste den arzt dazu tommy das schlafmittel zu geben. es dauerte nicht lange, da beruhigte sich der kleine junge wieder und sah verwirrt zu den drei erwachsenen auf. im haus der familie bouviée 20:13 mrs bouviée lag immer noch an der schulter ihres mannes. die müdigkeit übermannt auch sie. schlaftrunken fuhr sie durch die sofaritzen, mit dem gedanken, diese am morgigen tag mal wieder auszusaugen. als sie ihre hand aus der ritze nahm, sah sie erstaunt auf ihren fund. ”was ist das denn das? schatz, hast du die blätter vom garten hereingetragen?” sie schaute genauer hin. ”sieht aus wie, wie rosenblätter. aber wir haben keine rosen im garten...” sie kniff die augen etwas zusammen und ihren letzten gedanken konnte sie schon gar nicht mehr beenden. als katie das wohnzimmer ihrer eltern betrat, schlief auch ihre mutter zusammengesackt nehmen ihrem vater. in diesem moment gab der streifenwagen vor dem haus einen funkspruch an die zentrale. ”hier ist alles in ordnung. keine auffälligkeiten. die leute vom fbi sind schon ziemlich verrückt. katie soll ihren eltern was tun. das ist doch mehr als lächerlich. ende” die zentrale antwortete ”verstanden. ja frank, aber das ist nun mal unser job. passt trotzdem gut auf. wünsche euch eine geruhsame nacht. ende.” frank bückte sich nach der thermoskanne kaffee. er goss seinem partner eine tasse voll ein und reichte sie ihm. ”auf eine spannende nacht”. nachdem er das sagte, lachte er los. auf dem weg zum korczak hospital zur selben zeit scully nahm einen anruf entgegen. ”mulder? sind sie das?” ”ich bin auf dem weg ins krankenhaus scully. mrs fellow hat einen suizid versuch unternommen. momentan sieht es schlecht für sie aus. sie war immer noch nicht bei bewusstsein.” scully zögerte nicht eine sekunde. ”tommy geht es besser. soll ich zu ihnen in die klinik kommen?” ”nein scully, sie sollten die polizei informieren, ich glaube katies eltern sind in noch größerer gefahr als wir dachten. ich werde bei mrs fellow bleiben, für den fall, dass sie aufwacht.” scully legte auf und wählte im selben moment die nummer des polizeireviers. vor dem haus der familie bouviée 20:52 überall blitzen die blaulichter der einsatzwagen. direkt vor der hauseinfahrt standen zwei rettungsfahrzeuge. scully trat auf die bremse und sah für einen kurzen moment dem treiben zu. ”nein”, dachte sie bei sich, ”bitte nicht” die rettungswagen fuhren weg. scully betrat das haus der familie. zwischen polizisten und helfern sah sie die kleine katie sitzen. auf ihrem nachthemd waren große rote flecken. der schweiß lief von ihrer stirn und als das mädchen sie erblickte sprang sie auf. ”wo bringen die meine mummy und meinen daddy hin? was haben die mit ihnen gemacht?” scully schluckte trocken. die blicke der polizisten und die ernsthaftigkeit in deren gesichtsausdruck verrieten ihr schon genug. ein polizist wollte noch nach dem kind greifen, doch katie sprang nur in scullys arme und weinte. scully kniete sich auf den boden und hielt das kleine geschöpf fest. dann sah sie in ihr verweintes gesicht. im korczak hospital 22:01 mulder verließ mit gesenktem blick das wartezimmer der notaufnahme. er zog sein handy aus seiner manteltasche und wählte scullys nummer. ”mulder?” ”ja scully, ...” er schwieg kurz. ”...mrs fellow liegt im koma.” scully hatte vor der antwort auf ihre nächste frage angst. ”und was ist mit den bouviées?” ”mr. bouviée war schon beim eintreffen in die klinik tot. seine frau haben sie noch eine stunde bearbeitet...” scully machte eine kurze pause. ihr herz schmerzte, bei dem gedanken daran, dass auch katie ihre eltern verloren hatte. mulder brauchte es gar nicht erst auszusprechen. sie wusste, dass auch die mutter des mädchens gestorben war. ”ich bringe katie jetzt in das kinderheim. sie wird dort die nacht verbringen. morgen früh werden ihre großeltern sie abholen. auch tommy darf morgen nach hause. seine tante wird sich die nächste zeit erst einmal um ihn kümmern.” scully sprach eigentlich nur um sich selbst reden zu hören. sie war ihren eigenen gedanken im moment nicht gewachsen. der schmerz, der die beiden kinder ein leben lang begleiten würde, machte ihr mehr zu schaffen, als sie sich selbst je eingestanden hätte. ”hat mrs fellow noch irgendwas gesagt, bevor sie ins koma gefallen ist?” mulder zögerte kurz.... ”ich werde ihnen nachher alles erzählen, scully. kümmern sie sich jetzt um das mädchen.” er steckte sein handy in die manteltasche. hardy green motelstation es war schon kurz vor mitternacht, als scully ihren wagen vor dem motel parkte. in ihrem zimmer brannte licht, was ihr sagte, dass ihr partner schon auf sie gewartet hatte. vorsichtig drehte sie den zimmerschlüssel und öffnete dann behutsam die tür. sie wollte mulder nicht wecken, für den fall, dass er schon schlief. als sie das zimmer betrat, fand sie ihn zwar auf dem bett vor, aber er starrte an die decke. scully streifte ihren mantel ab, zog sich die schuhe aus und setzte sich neben ihren partner. mulder sah nur kurz zu ihr herüber, dann starrte er wieder nach oben. ”ich denke, ein geständnis von mrs fellow ist gar nicht mehr nötig. ich habe das in ihrer bibel gefunden. wenn wir gestern gründlicher gewesen wären, dann hätten wir vermutlich das leben der beiden menschen retten können.” scully nahm den zettel, den mulder ihr hinhielt, in die hand und versuchte die zeilen zu entziffern. das geschriebene musste mehrere jahre alt sein. die tinte war schon sehr verblichen und an manchen stellen schon fast erloschen. scully knipste die nachttischlampe an. meinem lieben kind greta es ist alles eine frage der zeit. nichts in unserem leben ist wichtiger, als der glaube selbst. es gibt menschen auf dieser welt, die dieser, unsere kraftquelle, schaden zufügen wollen. menschen lügen. fast alle. wir beide sind stark genug, um das vernichtende denken der neuen genrationen nieder zu machen. es wird nie einen menschen geben, der dich so lieben wird wie ich. nie wirst du wirklich glücklich sein. es gibt nur einen weg deine zeit auf erden sinnvoll zu nutzten. bekämpfe das böse. bekämpfe die mächte, die uns unseren halt nehmen wollen. gott und sein sohn ließen nie einen menschen zwischen sich kommen. dies ist die einzige wahrheit. keine frau existierte je für christus. kein anderes wesen war ihm heilig außer seines vaters. versuche nie das glück in einem menschen zu finden, wenn ich fort bin. denke nur an die wahrheit. du wirst die kraft haben menschen für ihre falschen überzeugungen zu bestrafen. koste es was es wolle. nur dies ist der einzig wahre weg. der weg, der dich zu gott, zu christus und zu mir führen wird. alle anderen pfade werden in den abgrund münden. lebe in meinem sinne. nur dann werden wir uns wiedersehen. eines tages. das ist deine bestimmung. dein dich liebender vater scully legte das stück papier beiseite und rutschte bis an das ende des bettes, um sich anlehnen zu können. ”sie hat das alles getan, weil sie dachte, damit dem wunsch ihres vaters gerecht zu werden?” mulder drehte sich auf die seite und sah sie nun an. ”nicht ganz. ihr vater schien ein überaus gläubiger mensch zu sein. das geht nicht nur aus diesem brief hervor. auch die bilder und andenken ihres vaters bestätigen dies. mrs fellow wehrte sich als kind gegen die engstirnigkeit ihres vaters. doch je älter sie wurde, desto näher kam sie diesem gefestigten und vorgegebenen religiösen weltbild. wahrscheinlich war es die einsamkeit, die diesen keim in ihr zum blühen brachte. sie handelte nicht mal aus hass oder boshaftigkeit, sondern glaubte einfach nur, durch diese taten bewirken zu können, irgendwann wieder dem einzigen menschen nahe sein zu können, der ihr jemals ein gefühl von liebe schenkte. aber es wurde ihr auch bald bewusst, dass sie den falschen weg eingeschlagen hat. sie konnte aber nicht mehr zurück. ihre selbst zugefügten wunden zeigten, dass sie zwar um vergebung gebeten hatte, aber mit dem gedanken, an ihre taten auch nicht weiterleben wollte.” scully beobachtete ihn nur, während er sprach ”was hat sie...?” ”eine überdosis schlaftabletten. eigentlich ganz banal. die polizei hat in ihrem schlafzimmer zwei schubladen randvoll mit tabletten gefunden. vermutlich hat sie sich einfach eine hand voll davon selbst verabreicht. das medikament hat sie wohl auch als dünger für ihre rosen genutzt.” er machte eine kurze pause. ” kurz nachdem ich das krankenhaus verlassen hatte, bekam ich einen anruf. ... ihr herz hat aufgehört zu schlagen. nicht lange nachdem auch mrs bouviée ihren verletzungen erlegen ist.” ”sie hat zwei kindern ihre eltern genommen, weil sie es nicht ertragen konnte, dass der religiöse glaube der menschen sich nicht an ihrem orientierte?” ”ich denke, sie hat es nicht ertragen dürfen.” scully stand auf und hob ihren mantel vom boden auf. sie griff in eine der taschen und zog ein kleines weinrotes büchlein heraus. vorne auf dem umschlag waren gerade noch ein kleines kreuz und zwei eingravierte buchstaben zu erkennen. gf. ”greta fellow”... sie schwieg kurz, während sie weiter unten zwei weitere buchstaben betrachtete. ”sie hat das buch ihres vaters an tommy weitergeben wollen. er sollte eines tages verstehen können, was ihre intention war.” scully schlug die erste seite des buches auf. ein kleines bild, auf dem eine weiße rose im licht schimmerte, war aufgeklebt. darunter stand in kleinen lettern: gehe den weg, den deine eltern gegangen wären. wegen ihnen und im gedenken an sie. denn das ist unsere einzige bestimmung. scully empfand ein gefühl der beklemmung. ”sie erkannte, wie falsch ihre taten waren. trotzdem gibt sie ihrem vater keine schuld. auch der junge soll im sinne seiner eltern handeln. das ist ein widerspruch in sich. da er doch so einen ganz anderen weg, einen in ihren augen falschen weg, einschlagen würde.” mit diesen worten reichte sie mulder das kleine buch. sie beobachtete ihn nur, während er las. es dauerte nicht lange, da legte er das buch beiseite und scully setzte sich wieder zu ihm. ”ist das wirklich unsere bestimmung? das leben, das sein, den glauben und die überzeugungen unserer eltern weiterzugeben?” fragte sie ihn, während er näher zu ihr heran kam. er blickte nur in ihr fragendes gesicht und nahm dann ihre hand. zärtlich strich er über ihre finger und ihre handfläche. dabei ließ er sie nicht außer augen. es schien ihr eine ewigkeit zu sein, bis er ihr endlich antwortete. ”hätten wir uns jemals getroffen, wenn wir den weg gegangen wären, den unsere eltern für uns gewählt hätten?” scully lächelte sanft, während sie ihre finger in seine verflocht. ”wenn es unsere bestimmung ist, dass wir zusammen sind, hätten wir uns dann nicht auch so getroffen?” scully rutschte noch ein stückchen näher an ihn. mulder strich über ihre wange und versuchte die anwort in ihren augen zu finden. ”wir hätten uns gefunden. ... weil ich ohne dich niemals hätte glücklich werden können.” scully schloss die augen und nahm das gesagte tief in sich auf. eine kleine träne bahnte sich ihren weg auf das bettlaken. immer wieder kreisten ihre gedanken um die zwei kleinen kinder, deren leben soviel schaden genommen hatte. sie konnte sich nicht vorstellen, dass sie jemals verstehen würden, was sie selbst dazu bewegt hatte, ihren eltern das leben zu nehmen. für immer wird diese schuld auf ihnen lasten. es gibt nichts schlimmeres als ein gefühl der schuld mit sich zu tragen. sie wußte das. emily. die ständige frage nach dem warum und nach dem sinn ihres kleinen lebens war allgegenwärtig. als sie die augen wieder aufschlug, sah sie nur ihn. ”und was war emilys bestimmung?” mulder ertrug es kaum, den schmerz in ihrem gesicht zu sehen und zu erkennen, dass die wunden noch nicht mal annähernd verheilt waren. ”ich weiß es nicht ..., aber vielleicht kann sie es dir eines tages sagen.” seine augen zeigten ihr wie weh es ihm tat, ihr das sagen zu müssen. sie fühlte wie die last allmählich von ihren schultern wich. und dann lächelte sie zögerlich. sie tat etwas, von dem sie bis vor wenigen sekunden nicht dachte, es jemals tun zu können. sie strich über seine wange und küsste ihn. die angst, was danach sein könnte, verblasste in dem gefühl, das es in ihr auslöste. auf einmal war alles so einfach, so klar. als sie sich wieder von seinem mund löste, hatte sie zum ersten mal seit so langer zeit das gefühl, das richtige getan zu haben und sein blick sagte mehr als jedes wort. er legte seine hand auf ihre wange und strich die einzelne träne beiseite. ”ich habe so lange darauf geartet, dass du das tust”, hauchte er so leise, dass sie es gerade noch hören konnte. er hatte sich so oft gewünscht, dass sie das tun würde, aber er konnte diesen schritt nicht für sie beide machen. sie sollte ihm zeigen, wann sie bereit dafür war. und in diesem einen moment hatte sie es getan. er zog sie so dicht an sich, dass er seinen herzschlag nicht mehr von ihrem unterscheiden konnte. die erkenntnis, dass es der richtige weg war, den sie gemeinsam einschlugen, gab ihnen die kraft den nächsten schritt zu tun. es war die erste nacht, die in einen veränderten tag führte. eine veränderung, die ihnen einen unbekannten weg offenbarte, welcher ihre bestimmung zu sein schien. skinners büro, 29. mai 16:49 skinner schlug die akte zu und warf zuerst mulder und dann seiner partnerin einen fragenden blick zu. ”hypnose? das hat die kinder dazu gebracht ihre eltern zu töten?” mulder nickte nur. ”es steht alles in der akte.” mit einem formlosen ”danke” und einem immer noch ungläubigen gesichtsausdruck beendete skinner das gespräch. dies nahm scully als aufforderung, sich von ihrem stuhl zu erheben um das büro zu verlassen. mulder saß noch auf dem stuhl und musterte seinen vorgesetzten, während scully schon an der tür stand. ”sonst haben sie keine einwände, sir?” skinner starrte ihn nur an und sah dann zu scully. sie drückte gerade die klinke herunter, um skinners büro zu verlassen, als sie noch einen kurzen blick zu ihrem partner warf. ”kommst du?” dabei bemerkte skinner etwas in ihren augen, dass er bisher noch nie an ihr gesehen hatte, und er brauchte einen kurzen moment, um dies zu realisieren. zuerst sah er zu scully und dann zu mulder. ”ja, ich komme”, sagte er nur, ”ich hatte nur nicht erwartet, dass sich unsere chef mit diesem bericht so einfach zufrieden gibt.” mit diesen worten verließ mulder skinners büro. er saß immer noch etwas irritiert hinter seinem schreibtisch und öffnete dann aber nochmals die akte. er blätterte etwas in den unterlagen bis er feststellte, ”na immerhin, sie sind wenigstens so schlau und mieten noch zwei motelzimmer.” einen monat später ”onkel morten, wer ist das auf dem bild? mummy hat oft von ihr gesprochen, aber ich habe ihren namen vergessen.” tommys onkel nahm seinen neffen auf den schoß. ”das ist die mona lisa, mein junge. leonardo da vinci hat sie gemalt. er war ein wunderbarer mann. aber das werde ich dir alles mal erzählen, wenn du groß bist.” tommy verzog sein gesicht. ”ich will es aber jetzt wissen, ... geheimnisse kann ich nicht leiden!” onkel morten schüttelte nur bedächtig seinen kopf. ”nein tom, das würdest du jetzt noch nicht verstehen. die mona lisa ist von einem großen mysterium umgeben. eines tages wirst du derjenige sein, der den glauben an eine ihre wahrheit weitergeben wird. aber das hat noch viel zeit. du solltest lieber spielen gehen. wo ist denn der rote sportwagen, den du gestern mit der post bekommen hast? du wolltest doch schon immer ein ferngesteuertes auto, warum spielst du also nicht damit?” tommy hüpfte vom schoß seines onkels und drehte sich noch mal kurz zu ihm um, bevor er in seinem zimmer verschwand. er schloß die tür feste zu und setzte sich dann auf sein bett. unter seinem kopfkissen holte er ein kleines bild hervor. er betrachtete die weiße blühende rose darauf und drehte das bild dann um. es machte ihm immer noch etwas mühe zu lesen, aber diesen kleinen spruch hatte er nach all der zeit bereist verinnerlicht. gehe den weg, den deine eltern gegangen wären. wegen ihnen und im gedenken an sie. denn das ist unsere einzige bestimmung.
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